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Jackass 3D

USA 2010. R: Jeff Tremaine. B: Preston Lacy. K: Lance Bangs, Dimitry Elyashkevich, Rick Kosick. D: Johnny Knoxville, Steve-O, Jason Acuña, Bam Margera, Chris Pontius, Ryan Dunn, Preston Lacy, Dave England u.a.
93 Min. Paramount ab 28.10.10

Fun ist ein Scheißbad

Von Sven Ole Lorenzen Es sind Qualen derart infernalischen Ausmaßes, die das Team von »Jackass« über sich ergehen läßt, daß ein US-Kritiker sie mit den Stationen der Hölle in Dante Alighieris »Die Göttliche Komödie« vergleicht. Zehn Jahre nachdem die erste Jackass-Folge auf MTV über den Schirm flirrte, kennt man deren Stunts allerdings schon zur Genüge: Ob ein Hindernisparkour mit Elektroschockern, Bungeejumping in einem randvollen Dixi-Klo oder direkte Konfrontationen mit wilden Tieren, es ist immer dasselbe Erfolgsrezept aus Blut, Scheiß und Tränen, das nun zum dritten Mal den Sprung auf die große Leinwand erlaubt.

Es ist wie der niemals enden wollende Initiationsritus einer Studentenverbindung, ein gänzlich aus der Bahn geratener Junggesellenabschied und damit eine Beschwörung der Männerfreundschaft in ihrer primitivsten Form. Jeder hat einen Strauß von Anekdoten, die alle damit beginnen, daß einer »Weißt, was krass wär'?« sagt. »Jackass« zeigt, wie diese Geschichten aussähen, hätten wir den Mut und den Willen, bis zum Extrem zu gehen. Es entbehrt dabei nicht einer gewissen Ironie, wenn Familienväter im besten Alter den heutigen Pubertierenden ihre eigenen unausgelebten Phantasien vorturnen. Aber auch in anderer Hinsicht ist Jackass 3D ein Relikt: Längst haben die zahllosen anonymen Nachfolger auf YouTube, die dann eben doch das Skateboard selbst in die Hand nehmen, den Markt an gefilmten Torheiten gesättigt. Wenn sie es nicht schon wäre, hätte die Truppe heutzutage keine Chance mehr, berühmt zu werden. Vielleicht muß deshalb alle fünf Minuten mit »Hi, I'm Johnny Knoxville« ein Wasserzeichen auf der eigenen Arbeit hinterlassen werden und im letzten Song die »Memories« beschworen werden, wo im ersten Film die Botschaft noch lautete: »We want fun (and you better believe it)«.

Daß eine Angst vorm Vergessen völlig unbegründet ist, zeigt ein Einspielergebnis in den USA, das einen weiteren Film fast unausweichlich macht. Die Kombination von 3D-Effekt und Zeitlupe ermöglicht eine Nähe zum Geschehen im Kinosaal, wie sie die namenlose Konkurrenz in krisseligen Clips nicht liefern kann.

Doch die eigentlichen Höhepunkte sind nicht die großen, aufwendigen Stunts sondern die stilleren Momente, wenn beispielsweise ganz im Stile von »Schmidteinander« Sprichwörter auf ihren Wahrheitsgehalt überprüft werden, Knoxville zu »You Can't Rollerskate in a Buffalo Herd« auf Rollschuhen tanzt und sich als heutiger Buster Keaton zeigt. Was immer das auch über unsere Zeit sagen mag. 2010-10-28 17:07

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