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Suicide Club

D 2010. R,B,S: Olaf Saumer. B: Martin Saumer. K: Thomas Förster. M: Thomas Bugert, Oliver Knieps, Harro Kobzik. P: Tagträumerfilm. D: Klaus-Dieter Bange, Andrea Cleven, Arne Gottschling, Katja Götz, Herwig Lucas, Hildegard Schroedter, Mathieu Süsstrunk u.a.
96 Min. Kinostar ab 25.11.10

Nicht gefallen

Von Oliver Baumgarten Fünf äußerst unterschiedliche Menschen treffen sich frühmorgens auf dem Dach eines Hochhauses, um sich gemeinschaftlich in den Tod zu stürzen. Blöderweise gehen aber unten Leute spazieren, und so entscheidet man sich, den Selbstmord auf den Abend zu verschieben und, bis es soweit ist, lieber Sätze zu sagen wie: »Tiere sind viel natürlicher. Nicht so künstlich wie wir Menschen.«

An diesem Parameter gemessen ist Olaf Saumers Abschlußfilm von der Kunsthochschule Kassel am Ende leider allzu menschlich ausgefallen: Inspiriert vielleicht von Nick Hornbys Grundidee aus »A Long Way Down«, entwickelt sich der Film zu einem unnatürlichen Konstrukt, in dem stereotype Figuren absurde Dinge tun und gestelzt ordinärphilosophische Allgemeinplätze absondern. »Das alles hier ist doch bloß eine Illusion«, sagt zum Beispiel einer und versucht erfolglos, einen theatralischen Schwulst zu bilden, wo die Atmosphäre dürftig ist.

Gestörte Kommunikation, gesellschaftliche Isolation, der enorme Leistungsdruck – all das beklagt der Film vollkommen zurecht als Mißstand eines zunehmend pervertierenden Sozialsystems. Das dann aber über die groteske Grundsituation einer Gruppe zu erzählen, die sich übers Internet zum Selbstmord verabredet und die nach einer Aussprache und einem gemeinschaftlich inhalierten Joint schon wieder Lebensmut faßt – das banalisiert die zugrundeliegende Kritik bedauerlicherweise ganz erheblich. Diesen kritischen Ansatz ernstzunehmen fällt aber wie erwähnt auch vornehmlich deswegen schwer, weil die Handlung so konstruiert daherkommt, daß sie den Deus ex machina in antiken Tragödien wie eine nachgerade elegante Erzähllösung wirken läßt. Vielleicht mag die, sagen wir: überraschende Einführung einer sechsten Person später im Film noch als Element der Komödie durchgehen – seinen kurz vorm Suizid stehenden Figuren aber ihre Hintergründe und Motivationen über Flaschendrehen und Beruferaten zu entlocken, bleibt dann doch ein dramaturgisch reichlich hüftsteifer Kniff.

Nicht gefallen sind am Ende die Figuren. Nicht gefallen hat am Ende auch der Film. 2010-11-22 09:10

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #60.
© 2012, Schnitt Online

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