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In ihren Augen

El secreto de sus ojos. RA 2009. R,B,S: Juan José Campanella. B: Eduardo Sacheri. K: Felix Monti. M: Federico Jusid, Emilio Kauderer. P: 100 Bares, Canal+ España, Haddock Films. D: Ricardo Darín, Soledad Villamil, Pablo Rago, Javier Godino, Guillermo Francella u.a.
129 Min. Camino ab 28.10.10

Out of Sight

Von Martin Wertenbruch »Ich glaube, ich hab's einfach in seinem Blick gesehen. Das war der Schlüssel.« Ein kleiner Satz aus einem großen Film, den Benjamin (Ricardo Darín), pensionierter Kriminalbeamter, über einen Mörder äußert, den er 1974 überführen konnte. 25 Jahre später macht er sich daran, einen Roman über diesen Fall zu schreiben, dessen Umstände ihn seitdem nicht losgelassen haben. Es sind starke Emotionen – eigene und die der anderen – die Benjamin noch ein Vierteljahrhundert später beschäftigen.

Juan José Campanella wurde für In ihren Augen mit dem diesjährigen Oscar für den besten fremdsprachigen Film ausgezeichnet. Neben Drehbuch und Regie zeichnet der Argentinier auch für die Montage verantwortlich. In der in Rückblenden erzählten Geschichte sind Elemente des Film Noir, das politische Klima Argentiniens im Vorlauf zum Militärputsch von 1976, sowie eine Geschichte über unerklärte Liebe miteinander verwoben. In eleganten acoustic matches oszillieren Vergangenheit und Gegenwart hin und her, während die Bildebene von Halbnahen und Naheinstellungen geprägt wird, in denen immer wieder eines ins Auge fällt: die Intensität der Blicke. So wie der Volksmund in einem Bild mehr als tausend Worte vermutet, zeugen die Augen bei Campanella von einer besonderen Intensität und nehmen eine eigenständige Erzählerrolle ein. In diesen Augen spiegeln sich Freude, Sehnsucht, Haß und letztlich Liebe. Einem zum Geständnis geprügelten Gefangenen fehlt das linke Auge: sein Blick ist gebrochen, sein Urteilsvermögen dahin. Da ist der Mann der Ermordeten, dessen leerer Blick sich allmählich zu einem haßerfüllten Funkeln entwickelt – um später so verdächtig geläutert zu wirken. Da blicken Menschen aus alten Fotographien auf die Protagonisten, die bis in die Gegenwart davon berührt werden. Und schließlich sind da immer wieder diese Blicke zwischen zwei Liebenden, die mit Worten nie zu sagen vermochten, was die Augen schon längst wußten. Als Benjamin die Richterin Irene wegen des Romans aufsucht, fragt sie: »An was von damals hast du seit über 20 Jahren am meisten gedacht?« Er schaut sie nur lange an. Und ein Schnitt führt zurück zu jenem Tag, als er sie zum ersten Mal sah. 2010-10-22 15:52

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #60.

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