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Konferenz der Tiere

D 2010. R: Holger Tappe. R,B: Reinhard Klooss. B: Oliver Huzly, Klaus Richter. S: Alexander Dittner. M: David Newman. P: Constantin Film Produktion.
93 Min. Constantin ab 7.10.10

Kyoto im Kino

Von Sven Ole Lorenzen »Eines schönen Tages wurde es den Tieren zu dumm.« So beginnt Erich Kästners »Die Konferenz der Tiere«. Der Jugendbuchklassiker zieht seinen absurden Charme aus der Tatsache, daß die Tiere vernünftiger und moralischer dargestellt werden als die Menschen und auch technologisch den Vergleich nicht zu scheuen brauchen. Sie sind der ständigen Kriegstreiberei und der vergeblichen Friedenskonferenzen leid und nehmen das Heft selbst in die Hand. Während sich Kästner am Tierreich der Äsopischen Fabeln orientierte, sind heutzutage, dank Disney, sprechende Tiere im Trickfilm an der Tagesordnung. Wie im Buch befindet sich die Keimzelle des Widerstands in der afrikanischen Savanne. Als das Wasser ausbleibt, beschließt eine Gruppe Tiere um ein Frettchenwaschbärenrattenerdmännchen, das man in der Vorlage zum Glück vergeblich suchen wird, den Menschen für ihre rücksichtslose Ausbeutung der Natur eine Lektion zu erteilen. Das heißt, das sollten sie eigentlich tun, über den Großteil der Laufzeit nutzen sie ihre Intelligenz bevorzugt zum Golfspielen mit »Hyänenkacke«, Motorbootfahren, Fernsehen und Duschen. Und wenn sie sich ihres Auftrages entsinnen, fällt ihnen nichts besseres ein, als sich unter einen berstenden Staudamm zu stellen.

Es ist wirklich erstaunlich, wie unverblümt der Film von der ersten Minute an Zeit schindet und sich schlichtweg weigert, eine Geschichte zu erzählen. Das kleinste Publikum soll mit Furzwitzen und Musikeinlagen geködert werden, bekommt aber gleichzeitig pathetische Phrasen wie »Wasser ist das Blut unserer Vorfahren« um die Ohren gehauen. Diese grüne Botschaft, die von einem Paar Galapagos-Schildkröten vorgetragen wird, das mit seiner Redegeschwindigkeit die Ents aus Herr der Ringe wirken läßt wie Speed-Junkies mit Druck auf der Blase, blieb zumindest bei der Deutschen Filmbewertung nicht ungehört, die Die Konferenz der Tiere mit dem Prädikat »besonders wertvoll« auszeichnete. Daß der Film nichtsdestotrotz an Erwachsenen wie Kindern vorbeiläuft, ist nicht zuletzt deshalb schade, da die sehr ansehnlichen Animationen an sich durchaus das Potential gehabt hätten, aus dem Film ein Aushängeschild des deutschen Trickfilmkinos zu machen. So aber wird es dem Zuschauer sehr bald zu dumm. 2010-10-07 17:16

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