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Was bleibt sind wir

D 2010. R,B,K: Werner Kubny. R,K: Per Schnell. B: Günter Bäcker. S: Rainer Nigrelli, Christoph Tetzner. M: Rainer Quade. P: Werner Kubny Filmproduktion.
107 Min. RealFiction ab 7.10.10

Friede den Hütten

Von Carsten Tritt Den Dokumentararbeiten Kubnys ist oft eine öffentlich-rechtliche Behäbigkeit anzumerken; man könnte das auch freundlicher als »Routiniertheit« bezeichnen, muß man aber nicht. Was bleibt sind wir ist erneut durch den WDR finanziert, reiht sich auch sonst ganz unauffällig in die Reihe von Kubnys Ruhrgebietsdokus ein, und soll dementsprechend auch irgendwann Ende des Jahres (umgearbeitet zum Dreiteiler) im WDR laufen.

Kubnys neuer Film, den er wieder zusammen mit Per Schnell gedreht hat, ist somit weder formal noch visuell besonders auffällig. Selbst wenn der Off-Sprecher in der Ich-Form erzählt, erscheinen Cinéma Vérité oder Direct Cinema viel weiter entfernt als die alte John-Grierson-Tradition, und der Film mehr Reportage als Dokumentation. Was bleibt sind wir will informieren, mit seinem Thema interessieren, und ist dafür über weite Strecken zu dünn, als zu unterstellen ist, daß auch dem Rest der Republik inzwischen bekannt sein dürfte, daß es im Ruhrgebiet einen sogenannten Strukturwandel gab und das einst Montane nunmehr nur noch als Relikt gepflegt wird. Die ersten zwanzig Filmminuten könnte man sich somit eigentlich gleich knicken.

Kubny und Schnell haben doch andere Stärken, sie können zum Beispiel gut mit den Leuten, weswegen ihre beste Arbeit bis heute die Dokuserie Die Helden von Eisenheim über die Bewohner der Oberhausener Siedlung bleibt. Diese Stärken kommen auch in Was bleibt sind wir zum Tragen, und da gibt es genug Protagonisten, die was zu sagen haben, und denen man auch gerne zuhört, was sie denn zu sagen haben: Einer der ehemaligen Arbeiter hat den kleinen Damenmodeladen seiner Frau übernommen, ein anderer versuchte, sich auf einem alten Werksgelände selbständig zu machen, ein Dritter ist noch bei Thyssen Krupp beschäftigt und sieht das Problem, das angewachsene Firmen-Know-How mit den wenigen Leuten noch auf die nächste Generation zu übertragen, und eine Nachwuchsgewerkschaftlerin kümmert sich um die Zukunft der Azubis. Wenn der Film bei seinen Figuren ist, funktioniert er, es ist nur schade, daß es letztlich zu viele sind, und für jeden einzelnen viel zu wenig Raum bleibt; Was bleibt sind wir wirkt somit, trotz seiner Routiniertheit in der Darstellung seiner Protagonisten, unvollständig. 2010-10-05 12:24
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