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Max Schmeling

D 2010. R: Uwe Boll. B: Timo Berndt. K: Mathias Neumann. S: Charles Ladmiral. M: Jessica de Rooij. P: Boll Kino Beteiligungs GmbH & Co. KG, Herold Productions, Jadran Film. D: Henry Maske, Susanne Wuest, Heino Ferch, Vladimir Weigl, Detlef Bothe, Christian Kahrmann, Stefan Gebelhoff, Alain Blazevic u.a.
123 Min. Central ab 7.10.10

Die Maske

Von Werner Busch Max Schmeling. Ein Name, eine Legende, ein Filmtitel, ein Henry Maske. Der in jeder Szene präsente Ex-Profiboxer ist der große formale Coup dieses Biopics über Schmeling. Mit ihm und seiner Performance steht und fällt der gesamte Film. Für einen Mann ohne schauspielerische Ambitionen, der eine der Ikonen seines Sports porträtieren soll und darüber hinaus noch ein persönlicher Freund Schmelings war, ist das eine Bürde, die nicht zu stemmen ist. Das Ergebnis von Maskes Bemühungen bringt sehr viel Schatten und nur ein wenig Licht zu Tage. Die athletische Physis des Laiendarstellers macht in den Sportszenen Eindruck und die Maskenbildner haben mit wenigen Mitteln sehr überzeugende Arbeit geleistet, sodaß man phasenweise die Personalie »Maske« vergißt. In einigen Momenten kann er sogar schauspielerisch überzeugen. Das sind die stummen Momente der Konzentration, der Fixiertheit, der Einzug in eine gefüllte Boxarena oder auf dem Fußweg zum verachteten Reichssportminister. Hier kann Maske tatsächlich mit seinem Gesicht überzeugende darstellerische Momente abliefern. Er kann die Maske Schmeling sein, aber nicht mehr.

Diesen vereinzelten positiven Aspekten stehen unzählige Dialogszenen gegenüber, in denen man sich einen Ulli Wegner wünschen würde, der, sobald Maske den Mund öffnet, mit seinem kehlig-berlinerischem »Komm, is juut mein Junge« unterbrechend zuspringt, den Boxer freundschaftlich in den Arm nimmt und aus dem Ring der Schauspielerei begleitet. Im besten Falle sind Maskes Drehbuchdialogsatzartikulationsversuche »bemüht«, aber häufig sind sie schlichtweg peinlich und sorgen für reichlich unfreiwillige Komik. Daran hat aber auch das Drehbuch von Timo Berndt großen Anteil, dem zweiten großen Manko des Films. Der Autor, der ansonsten ausschließlich die Bücher für TV-Movies wie Der Bibelcode oder Falsche Liebe – Die Internetfalle verantwortlich zeichnete, hat auch hier ein waschecht gurkiges Fernsehdrehbuch abgeliefert, das keinen großen dramatischen Bogen spannen möchte und sich stattdessen episodenhaft mittels einer unnötigen und bräsigen Rahmenhandlung durch einige Stationen hangelt. Als durchschnittliche Fernsehkost würde der Film zweifellos durchgehen – Boxkämpfe sind schließlich auch nichts anderes.

Schmeling selbst hatte einstmals seinen Freund Henry Maske als Darsteller für seinen Part vorgeschlagen. Den offensichtlichen Mängeln des Films steht die spürbare Begeisterung der Macher für das Boxen gegenüber, die Gastauftritte von Andreas von Thien, Arthur Abraham oder Maskes Trainer Manfred Wolke sind auch dann noch ein Ausdruck dafür, wenn diese Auftritte im filmischen Kontext deplaziert wirken. Einen ebensolchen Gastauftritt hat auch der ehemalige Amateurboxer und Regisseur des Films, Uwe Boll, der im Rahmen seiner Möglichkeiten alles richtig gemacht hat. Auch hier: In der unvermeidlichen »Boxer-bereitet-sich-auf-seinen-großen-Kampf-vor«-Montagesequenz des Films gibt es ein Bild, in der »Maske Schmeling« während eines Trainingslaufs neben einer Parkbank steht, schweißnaß pumpt er Luft, die Fäuste auf die Hüften gestemmt, die breite Brust hebt und senkt sich, heroische Pose. Im Vordergrund, dem Parkteich, heroische Musik, schwimmt eine Ente sehr langsam durchs Bild. Dieses Bild ist der Film. 2010-10-04 15:46

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