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Snowman's Land

D 2009. R,B,S: Tomasz Thomson. K: Ralf M. Mendle. M: Luke Lalonde. P: Noirfilm Filmproduktion. D: Jürgen Rißmann, Thomas Wodianka, Reiner Schöne, Eva-Katrin Hermann, Waléra Kanischtscheff, Luc Feit, Detlef Bothe, Andreas Windhuis u.a.
95 Min. Zorro ab 30.9.10

Schwarz wie Ebenholz

Von Cornelis Hähnel Bis vor 15 Jahren dachte man bei den Begriffen Schnee und Blut noch vorrangig an die Mär der holden Jungfrau hinter diversen Bergen. Doch in unserer Mediengesellschaft triumphieren halt immer wieder die Leinwandgeschichten über das gedruckte Wort und die Gebrüder Grimm heißen nun Gebrüder Coen, weshalb man bei den eingangs erwähnten Worten nunmehr an Fargo – Blutiger Schnee denkt. Und irgendwie paßt diese Assoziation auch weitaus besser zu Snowman's Land .

Walter ist Auftragskiller und hat aus einer Unaufmerksamkeit heraus einen Job so richtig versemmelt. Sein Auftraggeber legt ihm ein paar Wochen Urlaub ans Herz und da kommt der perfekte Job ins Haus geflattert: Walter soll auf die in der Einöde liegende Villa des ehemaligen Unterweltbosses Berger aufpassen. Und auf dessen Frau Sibylle. Für Walter klingt das nach bezahltem Urlaub und Entspannung, doch schon bei der Anreise gabelt Walter seinen vertrottelten Kollegen Micky auf, und als dann Sibylle durch einen Unfall ums Leben kommt, ist es Essig mit dem Urlaub.

So weiß die Winterlandschaft, so schwarz ist der Humor in Tomasz Thomsons Kinodebüt. Und trifft damit ins Selbige. Thomsons Erzählhaltung ist ebenso derbe wie lakonisch und überzeugt durch Timing und Pointensicherheit. Lange hat sich ein deutscher Film nicht mehr so selbstsicher und gekonnt im Genrebereich bewegt, Peinlichkeiten oder aufgesetzte Attitüden werden geschickt umschifft. Denn auch wenn Reminiszenzen oder Anleihen an andere Werke aufblitzen, ordnen sie sich immer dem eigenen Stil unter, eben so wie Genre funktioniert: Versatzstücke, die etwas Eigenes kreieren. So wie das Protagonistenduo, das unfreiwillige Paar, das in seiner Ungleichheit für einen großen Teil des Charmes des Films verantwortlich ist. Thomas Wodianka überzeugt als tumber »Hans Dampf« Micky, und Jürgen Rißmann als Walter, der müde Killer mit Burn Out, ist das eindeutige Highlight. Mit müder Mimik und trockenem Charakter ist er die Seele des Films, der mit seiner stoischen Ruhe das Geschehen, gewollt oder nicht, vorantreibt. Überhaupt ist der Film geprägt von Zwischentönen, vom Zusammenspiel einzelner Faktoren, die erst in Kombination ihre humorvolle Wirkung entfalten. Laut Thomson hatte man Schwierigkeiten, nur mit dem Drehbuch eine Finanzierung zu bekommen, erst ein extra gedrehter Trailer ermöglichte es, deutlich zu machen, wie Dinge gemeint waren, um so mit der Produktion beginnen zu können. Und diese Hartnäckigkeit hat sich gelohnt. Snowman's Land ist knarzig und derb, grandios besetzt und in wunderbare, klare Bilder verpackt. Und gnadenlos unterhaltsam. 2010-10-01 19:36
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