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Hot Tub – Der Whirlpool… ist 'ne verdammte Zeitmaschine!

Hot Tub Time Machine. CDN/USA 2010. R: Steve Pink. B: Josh Heald, Sean Anders, John Morris. K: Jack N. Green. S: George Folsey Jr., James Thomas. M: Christophe Beck. P: 34th Street Films, Lakeshore Entertainment, New Crime Productions. D: John Cusack, Rob Corddry, Craig Robinson, Clark Duke, Chevy Chase, Crispin Glover, Collette Wolfe, Lizzy Caplan u.a.
93 Min. Fox ab 30.9.10

Pacman, Paranoia und Paradoxien

Von Mary Keiser Bei einem Film namens Hot Tub – Der Whirlpool… ist 'ne verdammte Zeitmaschine! kann man nur das Allerschlimmste erwarten. Da der ein oder andere aber positiv überrascht sein könnte, gerät das Schreiben dieser Kritik zu einer Zwickmühle, denn ein Lob würde höhere Erwartungen wecken und vielleicht Enttäuschung bereiten. Aber andererseits würde den Film sonst kaum ein Schnitt-Leser ansehen, was auch wieder schade wäre, denn gerade Filmkenner hätten an den zahlreichen Verweisen vermutlich ihre Freude, bezieht sich die Reflexivität von Hot Tub doch wiederum auf die Anfänge der postmodernen Reflexivität im Film der 1980er Jahre.

Viele Szenen in Hot Tub erinnern an Jugendsünden von Hauptdarsteller und Produzent John Cusack, der die Teenies der 1980er Jahre mit The sure thing, Better Off Dead… oder One Crazy Summer, um nur einige zu nennen, durch das Jahrzehnt des schlechten Geschmacks begleitete, worauf nun aber die Figuren, genau wie der Regisseur, diesmal aus einem Abstand von über zwanzig Jahren zurückblicken, so daß Steve Pink nicht nur über scheußliche Klamotten und schlechte Musik, sondern auch über Kommunisten-Paranoia gelungene Gags reißen kann.

Der Verlust des uneingeschränkten Fortschrittsglaubens mit damit einhergehender No-Future-Mentalität kam ebenfalls in den 1980er Jahren ganz groß raus, obwohl man es seit H.G. Wells' »The Time Machine« eigentlich hätte wissen müssen, daß die Zukunft nicht unbedingt rosig aussehen muß. Marty McFly, der Terminator und Konsorten untermauerten die Gewißheit, daß früher alles besser war. Könnte man doch nur noch einmal von vorne anfangen bzw. gleich dafür sorgen, daß schon die Vorfahren alles besser machen, was sowohl für soziale, politische und wissenschaftliche Entwicklungen als auch für den privaten Lebensweg gilt.

Die amüsante Parodie läßt einen vergessen, wie traurig es im Grunde ist, daß viele Amerikaner meinen, nur durch Zeitreisen der puritanischen Prädestination entkommen zu können, anstatt ihr Leben im Hier und Jetzt zu ändern. Andererseits ist der Gedanke umso schöner, daß der schlimmste Fehler, den man machen kann, der ist, erwachsen zu werden. 2010-09-29 17:03

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