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Adèle und das Geheimnis des Pharaos

Les Aventures extraordinaires d'Adèle Blanc-Sec. F 2010. R,B: Luc Besson. K: Thierry Arbogast. S: Julien Rey. M: Eric Serra. P: Europa Corp., Apipoulaï, TF1 Films Production. D: Louise Bourgoin, Mathieu Amalric, Gilles Lellouche, Laure de Clermont-Tonnerre, Jacky Nercessian, Jean-Paul Rouve, Philippe Nahon, Gérard Chaillou u.a.
106 Min. Universum ab 30.9.10

Die Mademoiselle trifft die Mumie

Von Till Boller Nachdem er in letzter Zeit fast ausschließlich als Produzent in Erscheinung getreten ist, hat Luc Besson für die Comicverfilmung Adèle und das Geheimnis des Pharaos wieder auf dem Regiestuhl Platz genommen. Mit Louise Bourgoin hat er dabei einmal mehr eine viel versprechende Schauspielentdeckung im Gepäck. Leider ist diese dann auch das interessanteste, was Adèle zu bieten hat.

Die abenteuerlustige und schlagfertige Reporterin und Hobbyarchäologin Adèle Blanc-Sec begibt sich regelmäßig auf große Abenteuerreisen, um für ihren Verleger aufregende Reportagen zu verfassen. Diesmal verschlägt es sie nach Ägypten, wo sie sich auf die Suche nach der Mumie von Patmoses begibt. Gleichzeitig schlüpft im Pariser Museum ein Flugsaurier, der daraufhin Paris unsicher macht.

Es ist Adèle deutlich anzumerken, daß hier zwei verschiedene Comicgeschichten in einen Film gepreßt wurden. Die einzelnen Versatzstücke, aus denen sich der Film zusammensetzt, ergeben nie ein großes Ganzes. Der Film springt scheinbar unmotiviert zwischen einzelnen Erzählsträngen hin und her und macht den gleichen Fehler, der zur Zeit bei zahlreichen Popcornfilmen und Comicadaptionen zu beobachten ist: Er ist überfrachtet mit Elementen, die für die eigentliche Handlung verzichtbar wären. Auch das solide Darstellerensemble vermag es nicht, die inhaltliche Unzulänglichkeit des Drehbuchs zu überspielen, das sich von Szene zu Szene und von Witz zu Witz hangelt, ohne dabei einem dramaturgischen Faden zu folgen, der den Zuschauer bei der Stange hält.

Wie in den Indiana Jones-Filmen erkennt man auch in Adèle und das Geheimnis des Pharaos den Willen zur Serialität, nicht nur des Titels wegen. Der Film ist darauf ausgelegt, diesem Abenteuer noch weitere folgen zu lassen. Im Gegensatz zu den Indiana Jones-Filmen macht sich dies hier jedoch äußerst negativ bemerkbar. Statt eine für sich stehende Geschichte zu erzählen, führt Adèle mehrere Erzählstränge ein, vertagt sie dann aber auf mögliche Fortsetzungen. Der Oberschurke des Films, optisch fast eine exakte Kopie des Obernazis aus Indiana Jones – Jäger des verlorenen Schatzes, wird zu Beginn pompös eingeführt, verschwindet dann für den Rest des Films und taucht erst im Epilog wieder auf.

Ähnlich wie in vergleichbaren Abenteuerkomödien, wie beispielsweise Stephen Sommers Die Mumie, setzt Adèle vor allem auf Popcorneffekte und Slapstikeinlagen, durch die leider ein Großteil des historischen Charmes verloren geht. Die CGI-Effekte sind zwar handwerklich solide, aber auch recht einfallslos geraten. Das reicht heutzutage kaum noch, um wirklich zu begeistern. Von der inhaltlichen und visuellen Kreativität, die zahlreiche Filme Bessons auszeichnet, ist Adèle weit entfernt. Zu sehr wirkt der Film wie reine Routinearbeit, die zwar eine hohe Dichte an Gags und Action aufweist, dabei aber ausgetretenen Konventionen folgt und wirklich innovative und einzigartige Ideen vermissen läßt.

Adèle durchzieht einerseits ein arg infantiler Klamauk, der viele Elemente des Films reichlich abstrus erscheinen läßt. Andererseits ist der Film sowohl inhaltlich und optisch wenig phantasievoll, sondern sehr bemüht skurril, so daß keine Zielgruppe wirklich befriedigt werden kann. Wirklich sehenswert sind nur die gelungenen Kostüme und Kulissen eines Paris des Fin-de-Siècle. Dem Film mißlingt, was viele französische Comic-Alben auszeichnet: Eine scheinbar mühelose Verbindung von Unterhaltung für Klein und Groß. 2010-09-29 12:11

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