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Dinner für Spinner

Dinner for Schmucks. USA 2010. R: Jay Roach. B: David Guion, Michael Handelman. K: Jim Denault. S: Alan Baumgarten, Jon Poll. M: Theodore Shapiro. P: Parkes, MacDonald Productions. D: Steve Carell, Paul Rudd, Jemaine Clement, Jeff Dunha, Bruce Greenwood, Ron Livingston, Zach Galifianakis, Stephanie Szostak u.a.
114 Min. Paramount ab 23.9.10

Ein Bankett voller Narren

Von Sven Ole Lorenzen In »Wahnsinn und Gesellschaft« beschreibt Michel Foucault die bis ins 19. Jahrhundert herrschende Praxis, Insassen psychiatrischer Kliniken dem zahlenden Publikum als eine Art Zirkusattraktion vorzuführen. Der französische Regisseur und Drehbuchautor Francis Veber fand 1998 in Le dîner de cons eine makabere aktuelle Entsprechung: Eine Gruppe elitärer Schnösel lädt einmal im Monat zu einem Festbankett und zeichnet unter ihren »besonderen« Gästen den herausragendsten, will heißen: törichsten, aus. Dementsprechend gering fällt das Mitleid des Zuschauers aus, wenn das Leben der Hauptfigur, ein steuerhinterziehender Ehebrecher, von »seinem« Spinner ungewollt, aber nicht minder kraftvoll in seine unschönen Einzelteile zerlegt wird.

In Jay Roachs Remake wird der Protagonist von Lieblingsschwiegersohn Paul Rudd verkörpert, der nur einen ersten zaghaften Schritt zur dunklen Seite der Macht wagt. Um endlich in der Firma aufzusteigen und eigentlich der Liebe wegen greift er die Gelegenheit beim Schopfe, als ihm das Schicksal den perfekten Spinner vor den Porsche wirft: Steve Carrel, der bereits in der Fernsehserie The Office die US-amerikanische Arbeitswelt aufs Korn nimmt, spielt den trommeldummen, merkbefreiten Finanzbeamten Barry, der in seiner Freizeit tote Mäuse in ausgefeilten Stilleben arrangiert.

Das Drehbuch will es, daß sich das ungleiche Paar auf die Reise begibt und all die Stationen abklappert, die im kammerspielartigen Original nur angerufen werden. So wird nicht nur das Gift verdünnt, sondern auch der Film eine satte halbe Stunde länger. Dies führt zu gewissen Leerlaufphasen im Film, da keiner der emotionalen Momente recht zünden will. Allerdings nutzt Roach den größten Teil der Zeit für ein Schaulaufen der besten angelsächsischen Komödianten. Neben den Shootingstars Zach Galifianakis und Jemain Clement sind David Walliams und Christopher O'Dowd aus den britischen Erfolgsserien Little Britain und IT Crowd von der Partie. Zu solch einer Ballung komischen Talents kommt es, weil Roach im Gegensatz zu Veber das titelgebende Dinner wirklich zeigt, das allerdings einen zwiespältigen Eindruck hinterläßt: Einerseits hat der Film so ein furioses Finale, aber der Zuschauer soll letztendlich genauso über die zum Teil körperlich behinderten Außenseiter lachen wie die selbstgefälligen Yuppies. Das Mantra jeder US-Außenseiterkomödie »Sei einfach du selbst« hat beim vermeintlich versöhnlichen Ende von Dinner für Spinner außerdem einen etwas bitteren Beigeschmack: Das Empowerment hat etwas von einem stolzen Eingraben in die eigene gesellschaftliche Unzurechnungsfähigkeit. 2010-09-23 13:06
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