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Männertrip

Get Him to the Greek. USA 2010. R,B: Nicholas Stoller. K: Robert Yeoman. S: William Kerr, Michael L. Sale, Mike Sale. M: Lyle Workman. P: Apatow Productions. D: Jonah Hill, Russell Brand, Sean »P. Diddy« Combs, Elisabeth Moss, Rose Byrne, Colm Meaney, Carla Gallo, Karl Theobald u.a.
109 Min. Universal ab 2.9.10

Fick mich, ich bin berühmt

Von Jakob Stählin Ein Jeffrey ist eine jointartige Drogenwundertüte. Vollgestopft mit feinen Sachen, die die Birne schwammig machen. Und seine Wirkung ist, sofern man denn denselbigen konsumierenden Charakteren in Männertrip glauben schenken darf, eine recht dankbare Beschreibung des Films, den sie bevölkern: »That's the best part about the Jeffrey. It goes away and then it comes back.«

Das kennt man ja von Komödien: man guckt sie an, geht ein oder mehrere Biere trinken und dann erzählt man sich die lustigsten Szenen noch einmal nach. Aber auch viel wörtlicher genommen macht der Vergleich Sinn, denn es hätte wohl kaum einer gedacht, daß Nicholas Stoller einen Spin-Off zu seiner lediglich phasenweise wirklich guten Komödie Nie wieder Sex mit der Ex drehen würde. Letztlich ist es fast nur logisch, denn die großen Szenen gehören dort eben Russel Brand, der eine recht grelle Rockstarpersiflage mit dem Namen Aldous Snow gibt. Da seine Melange aus Pete Doherty und Jack Sparrow eher vom Kaliber überzogene Nebenfigur ist, darf man froh sein, daß den Machern dies bewußt war und sie ihre Figur für den ersten Großauftritt etwas gezügelt haben. Gleiches gilt auch für Jonah Hill, der meist Nebenrollen spielt und nun nach Superbad seinen zweiten (und in Cyrus bald seinen dritten) großen Auftritt hat.

Die Geschichte ist simpel: Der Musikbusiness-Typ (Hill) muß den Rockstar (Brand) von London nach L.A. bringen. Das ist gar nicht so leicht, denn der Superstar ist immer besoffen, bekifft und auf Heroin. Die Grundvoraussetzung für einen riesigen Haufen Unflat ist also gegeben, und der Zuschauer bekommt ihn auch in einem rasch erzählten Film, der seine Pointen mal mit dem Holzhammer, mal mit der Bazooka raushaut. Tolles Entertainment quasi, für alle mit einer nicht allzu hohen Aufmerksamkeitsspanne. Doch das ist Gott sei Dank nicht alles, denn die Schauspielleistungen, sie mögen noch so plakativ sein, sind das, was Männertrip zu einem recht guten Film machen. Russel Brand gibt den kaputten Rocker mit einer so perfiden Hingabe, daß man ihm fast Method Acting unterstellen möchte, doch die Tatsache, daß er noch am Leben ist, beweist, daß er nicht mal ansatzweise konsumiert haben kann, was sein Alter Ego tagtäglich zum Frühstück verputzt. Brand verzieht sein Gesicht, stolziert mit breiter Hühnerbrust in fantastischen Kostümen und spricht affektierter britisch als Lena Meyer-Landrut, während Jonah Hill hingegen meist nur reagiert, so aber durch seine sympathische Leinwandpräsenz eine hohe Identifikation mit der Tragik seiner Figur ermöglicht.

Neben genreobligatorischen Cameos gibt es freilich auch ein paar Gastauftritte, leider auch von Sean »P. Diddy« Combs, der unentwegt beim Versuch, komisch zu sein, scheitert, und leider deutlich mehr Screen-Time bekommt als der fantastische Colm Meaney als Aldous Snows Vater, der bei der wohl besten Szene des Films wunderbar übertreiben darf und eines wieder mal klar zu verdeutlichen weiß: Es ist nicht einfach, wirklich komisch zu sein. Umso erfreulicher, daß die komplette Crew den ironischen Grundton des Films auf die Spitze zu treiben vermag. So ist es Nicholas Stoller gelungen, platte, aber weitestgehend zündende Gags mit schrill überzogener Satire zu verbinden und sogar in einen ganz netten Plot einzubinden. Vielleicht wäre es gar nicht nötig gewesen noch eine klitzekleine Liebesgeschichte einzubauen, um eine klarere Struktur zu erzwingen, als es die eigentliche Handlung zuließe, doch es mag auch nicht so wirklich stören und schließlich findet man sich am Ende immerhin in alter Apatow-Gemütlichkeit: Eine feine Moral, zufriedene Gesichter und ein etwas zu langes Finale mit viel Musik. Die von Brand gesungenen Songs sind im Übrigen allesamt sehr liebevoll und stilecht komponiert und vorgetragen, lediglich die fantastische Blödheit seines Nie wieder Sex mit der Ex-Hits »Inside of You« wird nicht erreicht, doch der neue Hit »African Child« taugt allemal als lexikonreife Parodie auf eben jenen Rocksong, den Bands aufnehmen, wenn sie gerade in ihrer spirituellen Phase sind. Viel zu viel und letztlich nichts, doch Spaß wird am Ende jeder gehabt haben. Wie Groupies, die mit Rockstars vögeln: Redebedarf besteht in jedem Fall. 2010-08-30 17:53

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