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Jane's Journey – Die Lebensreise der Jane Goodall

Jane's Journey. D 2010. R,B: Lorenz Knauer. K: Richard Ladkani. S: Corinna Dietz, Patricia Rommel. M: Wolfgang Netzer, Katie Melua. P: NEOS Film, CC Medien.
105 Min. Universum ab 2.9.10

Walk lightly on the World

Von Karsten Rohrbeck Jane Goodall ist bemerkenswert: sie ist Tierschützerin, Umweltschützerin, Menschenschützerin und noch viel mehr… Das zeigt nun Jane's Journey von Lorenz Knauer. Vom Prädikat »bemerkenswert« ist dieser »Werbe-Film« selbst allerdings weit entfernt.

Der 105-Minüter beginnt mit einer Abgrenzung. Jane (die mit den Schimpansen), spricht in die Kamera: Sie sei nicht Dian Fossey (die mit den Gorillas). Sie werde oft mit Fossey verwechselt. Dabei ist diese schon mehr als 25 Jahre tot. Da gäbe es auch diesen Film (Gorillas im Nebel), der auch diese Information nicht ausspare! Jane Goodall aber ist nicht tot. Die Anekdote der ständigen Verwechslung mag zum Schmunzeln gemeint sein, sie bekommt aber, mit jeder weiteren Minute, einen äußerst fahlen Beigeschmack.

Weiter geht es zunächst persönlich: Wie Jane in den 1950ern in den afrikanischen Dschungel kam und so ihr Traum war wurde. Sei sie doch als Kind in Tarzan verliebt gewesen! Tarzan und Jane, endlich vereint. Wie unglaublich das für sie gewesen sei: ohne wissenschaftliche Vorbildung Primatenforschung betreiben zu können, auf ihre eigene, »ungebildete« Art. Schwarzweiß-Material aus jener Zeit zeigt eine unbefangene und glückliche Jane unter Schimpansen. Man sieht Respekt in diesen Bildern, eine positive Einfachheit, die der jungen Jane zu eigen war. Das fasziniert. »Viele Erkenntnisse über Schimpansen sind auf Jane Goodalls Arbeiten zurückzuführen.« Doch dazwischen schneiden sich auch Farbbilder einer Kamera, die in unmenschlichen Kranfahrten den Dschungel zu beherrschen scheint. Mittendrin die liebenswürdige Jane von 75 Jahren, von heute, die sich zwischen Schimpansen setzt. Nicht mehr aber »für« die Affen, wie einst, sondern für unser »drittes Auge« Kamera. Diese Bilder aus verschiedenen Zeiten mögen uns das gleiche zeigen, tun genau dies aber nicht!

»Jane Goodall […] wurde mit Mahatma Gandhi verglichen und ihre wissenschaftlichen Arbeiten zählen zu den wichtigsten des 20. Jahrhunderts. Die Dokumentation gewährt zum ersten Mal überhaupt Einblicke in ihr privates Leben.« Jane hat einen Sohn, der sich zunächst völlig anders entwickelt als gewünscht. Erst viele Jahre später finden die beiden wieder zueinander. Solche Aspekte im Leben der Britin sind die interessantesten des ganzen Films. Schade, daß nach den ersten gefühlten 10 Minuten Schluß mit solchen ist. Was wir dann sehen ist übermenschlich, weniger euphemistisch gesagt: unmenschlich.

»Mehr als 300 Tage im Jahr auf Reisen, fast jeden Tag an einem anderen Ort. Seit beinahe 25 Jahren ist dies das Leben der Jane Goodall. Von Afrika nach Nordamerika, Europa bis hin zu den schmelzenden Eiswüsten von Grönland begleitet die Dokumentation diese außergewöhnliche Frau…« Das ist nicht gelogen und Lorenz Knauer knüpft unaufhörlich Episode an Episode, wie um Janes Lebendigkeit zu beschwören. Oder zu beweisen…

Jane hält Vorträge, Jane initiiert ökologische und soziale Projekte und Jane schaut auf deren Fortschritte. Sie gibt Hoffnung bei Rückschlägen. Sie begeistert jeden, vom Nachbarn bis zum Promi. Angelina Jolie und Pierce Brosnan bewundern sie, Katie Melua steuert den Titelsong bei. Für die, die sie kennen, und für jene, die mit ihr arbeiten dürfen, ist Jane eine Lichtgestalt. Sie kommt zu ihnen geflogen – das Flugzeug ist ihr zweites Zuhause. Darin folgt sie den Hilferufen aller, die die Hoffnung auf ein gerechtes Leben verloren haben, die sich von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft im Stich gelassen fühlen und glauben wollen, »daß jeder Einzelne von uns etwas bewegen und verändern kann.« Jane ist eine Universal-Botschafterin, für mehrere Wohltätigkeitsorganisationen auf der ganzen Welt. Die Wärme, die sie in sich trägt, und die sie in anderen erweckt, steckt an.

Wie oft kann und will ein Zuschauer das erleben? Darin geht der Film bis über die Grenzen der Sättigung. Was sich in anderen Lebensbereichen bereits als Trugschluß erwiesen hat, soll hier, im Dienste des »Guten«, wohl noch Geltung haben: Viel hilft viel. Endlos erscheint die Aneinanderkettung der gut gemeinten Umwelt- und Menschenrechtsaktionen. Als gelte es zu beweisen: das hier ist die unverwechselbare Jane Goodall, und keine andere. So wirkt Jane's Journey wie ein Versuch, Jane Goodall aus dem Schatten von Dian Fossey heraus und in das Licht zu heben. Dafür stellt Knauer Janes Altruismus exzessiv zur Schau. Klasse in Masse. Dieser Widerspruch aber geht nicht auf. »Walk lightly on the World«, singt Katie Melua über den ersehnten Abspann. Hätte Knauer sich da mal ein Beispiel dran genommen. 2010-08-26 14:09

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