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Ich & Orson Welles

Me and Orson Welles. GB 2008. R: Richard Linklater. B: Holly Gent Palmo, Vincent Palmo. K: Dick Pope. S: Sandra Adair. M: Marc Marot. P: Cinetic Media, Detour Filmproduction, Framestore, Fuzzy Bunny Films. D: Zac Efron, Christian McKay, Claire Danes, Ben Chaplin, Eddie Marsan, Zoe Kazan, James Tupper, Kelly Reilly u.a.
109 Min. farbfilm ab 26.8.10

To See or Not to See

Von Eva Tüttelmann Der Begriff des Theaterfilms, wenn man ihn denn so nennen mag, stellt ein Genre dar, das auf den ersten Blick klar definiert scheint. Bei genauerem Hinsehen jedoch begegnet man den unterschiedlichsten Ausformungen, die sich allerdings – da kaum voneinander abgrenzbar – nur schwer in Subgenres unterteilen lassen. Legendär ist beispielsweise der Lubitsch-Klassiker To Be or Not to Be, der nicht nur von Proben und Aufführungen eines polnischen Theaterensembles handelt, sondern auch noch auf gleich mehreren Erzählebenen die Schauspielkunst und die damit verbundene Maskerade auf die Schippe nimmt (und den Nationalsozialismus gleich mit). Ein ebenfalls gern angeführtes Beispiel ist John Maddens Shakespeare in Love, der Ende der 1990er Jahre das Elisabethanische Theater zu Lebzeiten seines Vorzeigedramatikers etwas verklärt bebildert. Ein paar Jahre später versagt Lars von Trier in Dogville seinen Akteuren jegliche szenische Ausstattung und läßt sie stattdessen in einer durch Klebeband markierten Nicht-Kulisse leben und leiden – eine derart forcierte Hinwendung zum Theatralen, daß man ihm gar ein Kino attestiert, das »an den Grenzen der Bilder beginnt«.

Ich & Orson Welles ist leider weder voller satirischem Witz noch irgendwie selbstreflexiv und bietet außer seiner Besetzung kaum Sehenswertes. In den 1930er Jahren kommt der junge Richard (Zac Efron) nach Manhattan, weil er sich in den Kopf gesetzt hat, Schauspieler zu werden. Er erhascht eine Rolle in der umjubelten »Julius Caesar«-Inszenierung von Orson Welles, verabschiedet sich mit Ende des Films denn aber auch wieder von der Bühne. Der umwerfende Christian McKay, dessen Lebenslauf (gefeierter Konzertpianist, Royal Shakespeare Company, etc.) irgendetwas zwischen maßloser Bewunderung und blankem Neid auslöst, ist erst zum zweiten Mal in einem Spielfilm zu sehen und läßt mit seiner charismatischen Orson Welles-Darstellung alle anderen erblassen. Er ist präsent, laut, cholerisch, arrogant, unbeliebt und gleichsam charmant, genial, unbeirrbar, belesen. Er ist Orson Welles. McKays Schauspielkunst läßt keinen Raum für Fragen. An seiner Seite glänzt die allzeit fabelhafte, bildschöne Claire Danes, die als Welles' Regieassistentin eine Menge auf sich nimmt (ja, auch Welles), um Ihre Karriere – bemerkenswert konsequent – voranzutreiben. Der Disney-Tanzbär Zac Efron ist, sagen wir, auch dabei und fällt nicht direkt unangenehm auf. Er singt auch nur einmal ganz kurz. Man muß ihm allerdings anrechnen, daß er in Ich & Orson Welles ziemlich vom Schicksal gebeutelt ist, denn während die anderen zeigen können, was in ihnen steckt, ist seine Figur leider nicht nur gänzlich flach, sondern zu allem Übel auch noch selten überflüssig. Es bleibt zu wünschen, daß sich ihm bald eine bessere Gelegenheit bietet, sich zu beweisen. Nein, eine echte Empfehlung ist das hier nicht, dennoch ist es überaus lohnenswert, Christian McKay nicht zu verpassen. Von ihm wird man sicher noch viel hören. Von Ich & Orson Welles eher nicht. 2010-08-25 15:41
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