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Das Leben ist zu lang

D 2010. R,B: Dani Levy. K: Carl-Friedrich Koschnick. S: Elena Bromund. M: Niki Reiser. P: X Filme Creative Pool. D: Markus Hering, Meret Becker, Veronica Ferres, Hannah Levy, David Schlichter, Yvonne Catterfeld, Gottfried John, Hans Hollmann u.a.
86 Min. X Verleih ab 26.8.10

Selbstmitleid im Film

Von Bettina Schuler Wenn Filmemacher über das Filmemachen berichten, wird es schnell langweilig. Denn nur selten gelingt es ihnen, so wie Robert Altman mit The Player, eine richtig spannende Geschichte zu entwickeln, die mehr als die bloße Aneinanderreihung von Klischees ist. Meist sind die Schauspieler exzentrisch, die Produzenten eiskalte Brocken und die Regisseure verkannte Genies, denen es nur um ihre Kunst geht. So auch in Daniel Levys neuem Film Das Leben ist zu lang, in dem sich alles um Levys alter Ego Alfi Seliger dreht, der seit Jahren vergebens versucht, an den Erfolg seiner frühen Jahre anzuknüpfen.

Auch privat ist Alfi nicht viel besser aufgestellt: Seine beiden pubertierenden Kinder rebellieren, seine Frau (Meret Becker) hat eine Affäre mit dem Chef und die Bank geht mit seinem gesamten Vermögen insolvent. Was tun? Selbstmord, dazu rät ihm sogar sein Therapeut. Doch selbst das will dem erfolglosen Regisseur nicht gelingen. Denn schon nach drei Tagen erwacht er aus dem Koma und kehrt in sein altes Leben zurück. Zumindest scheinbar. Denn plötzlich scheint ihm alles zu gelingen. Doch wirklich freuen kann er sich darüber nicht, denn Skeptiker Alfi ist davon überzeugt, daß es solch eine Happy-End-Wendung nicht in der Realität, sondern nur in einem schlechten Film gibt… der Anfang einer freudschen Odyssee.

Dani Levys Versuch, mit Das Leben ist zu lang ähnlich wie Andreas Dresen eine Komödie über das Filmemachen zu kreieren, geht gründlich schief. Was vor allem daran liegt, daß Levy die Haß-Liebe, die ihn mit dieser Branche verbindet und die Dresen mit der Figur des Otto Kullberg sehr schön herausarbeitet, zugunsten eines allzu selbstmitleidigen Blickwinkels austauscht: Dem armen Regisseur, der wie ein Bettler zu den Produzent geht und sich, obwohl es ihm sein Kunstanspruch verbietet, für billige TV-Produktionen hergibt. Eine vorhersehbare, langweilige Geschichte, die auch dadurch nicht spannender wird, daß Levy am Ende sein alter Ego in eine filmische Parallelwelt à la Fassbinders Welt am Draht eintauchen läßt. Und so ist man dann ebenso froh wie der Alfi selbst, wenn der Spuk endlich zu Ende ist. 2010-08-20 12:37

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