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Die Legende von Aang

The Last Airbender. USA 2010. R,B: M. Night Shyamalan. B: Michael DiMartino. K: Andrew Lesnie. S: Conrad Buff IV. M: James Newton Howard. P: Blinding Edge Pictures. D: Noah Ringer, Dev Patel, Nicola Peltz, Jackson Rathbone, Shaun Toub, Aasif Mandvi, Cliff Curtis, Seychelle Gabriel u.a.
103 Min. Paramount ab 19.8.10

Feuer, Wasser, Erde und viel heiße Luft

Von Jochen Werner Wenn es etwas uneingeschränkt Positives über M. Night Shyamalans neuen Film Die Legende von Aang zu sagen gibt, dann müßte man wohl feststellen, daß der amerikanische Auteur den Fluch seines immens erfolgreichen Durchbruchsfilms The Sixth Sense endlich endgültig überwunden hat. Durch dessen schon legendären Plottwist, der das Kinopublikum der späten 1990er Jahre tatsächlich kalt erwischte, fand sich Shyamalan bei allen folgenden Werken einem brutalen Erwartungsdruck, den Effekt dieses »surprise ending« zu toppen oder zumindest zu wiederholen, ausgesetzt. Ein Druck, dem die Filme dieses zweifelsohne ungeheuer begabten Filmemachers immer ratloser gegenüberzutreten schienen, denn gleich ob er den Twist nun variierte (Unbreakable), demonstrativ verweigerte (Signs) oder gar noch zuspitzte (The Village): Man konnte sich des Eindrucks immer weniger erwehren, daß Shyamalans Kino zunehmend obsessiv um dieses eine, karrierestiftende und mythenbegründende Finish seines ersten großen Films kreiselte.

Erst mit seinem jüngsten Film The Happening gelang Shyamalan dann ein endgültiger Ausbruch aus dieser zwanghaften Zirkulation – und zwar auf durchaus gewaltsame Art und Weise, wie die nachhaltige, geradezu jähzornige Verstörung großer Teile des Publikums beweist, die sich nun endgültig auf den bereits zuvor immer weniger geliebten Regisseur einschossen. In einer Liste der meistgehaßten Filme der vergangenen Dekade dürfte The Happening, der sich andererseits freilich auch aus guten Gründen als schönster Film Shyamalans betrachten ließe, keinesfalls fehlen. Auch seinem neuen Film Die Legende von Aang, der auf der amerikanischen Pseudomanga-Trickfilmserie Avatar – Der Herr der Elemente beruht (diesen Titel aber, James Cameron sei Dank, nicht tragen darf), schlug durch Kritik und Publikum auf Anhieb ungeheure Ablehnung entgegen. Was einerseits nicht gar so verfehlt ist wie im Falle des ungewöhnlichen, kunstvollen The Happening, da es an dem im Gegensatz sehr konventionell gestrickten Die Legende von Aang leider auch bei wohlwollender Betrachtung nicht gar so viel gut zu finden gibt; was andererseits aber auch vielleicht etwas zu offensichtlich auf dem Strom des Meinungsmainstream surft, ist doch der Film für sich genommen nun jedenfalls auch nicht schwächer geraten als das Gros der Fantasyblockbuster der letzten Jahre.

Stofflich scheint Die Legende von Aang durchaus vermittelbar zu den Zielgruppen von Narnia, Harry Potter & Co.: In einer Fantasywelt droht die Koexistenz der vier Königreiche der Luft, des Wassers, der Erde und des Feuers an dem kriegerischen Gebaren der machthungrigen Feuernation zu zerbrechen. Nur der messianische Avatar kann alle vier Elemente gleichermaßen bändigen und so das Gleichgewicht der aus den Fugen geratenden Welt sicherstellen. Nachdem er jedoch dem Gewicht seiner Bestimmung zu entfliehen drohte, wurde der Avatar – in Gestalt des erst zwölfjährigen Jungen Aang – in einem Eisberg hundert Jahre gefangen, während die Welt sich veränderte. Um die Handhabung der anderen Elemente zu lernen, muß der als Luftbändiger geborene Aang nun gemeinsam mit den Wasserbändigern Katara und Sokka um die Welt reisen, während der adoleszente Feuerprinz Zuko, von der Verachtung seines Vaters gepeinigt und getrieben, ihm stets auf den Fersen bleibt.

Eines der Hauptprobleme von Die Legende von Aang – der im übrigen, auch wenn die Werbekampagne anderes verspricht, definitiv kein 3D-Film ist – besteht sicherlich darin, daß Shyamalan hier die äußerst stoffreiche erste Staffel der Animationsfilmserie in einen knapp 100minütigen Film zu stopfen hat, was ihm schlichtweg keine Zeit läßt: keine Zeit für Zwischentöne, keine Zeit für einen sinnhaften narrativen Rhythmus, keine Zeit für die erstaunliche Ernsthaftigkeit, die in der Vorlage immer wieder durch das Kindgerechte hindurchschimmert. Keine Zeit für einen richtigen Film letztlich, denn was bleibt, ist ein wackliges Gerippe aus Plot Points, die Shyamalan gehetzt abarbeitet, während er mitzuteilen vergißt, warum einen das Ganze überhaupt interessieren soll. Über weite Strecken fühlt sich Shyamalans Adaption einer durchaus komplexen Vorlage an wie die lustlose Verfilmung einer C-Klasse-Fantasyromanreihe. Nur in wenigen Sequenzen legt sich plötzlich und nur augenblickskurz eine Schwere, eine Düsternis auf Die Legende von Aang, die vom eigentlichen Potenzial des Stoffes kündet. Und einzig diese wenigen Momente lassen die Hoffnung noch am Leben, daß Shyamalan in den bereits geplanten zwei Fortsetzungsfilmen ein wenig von dem Unrecht wieder ausbügelt, das er seiner Vorlage hier getan hat. 2010-08-16 13:38

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