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Briefe an Julia

Letters to Juliet. USA 2010. R: Gary Winick. B: José Rivera, Tim Sullivan. K: Marco Pontecorvo. S: Bill Pankow. M: Andrea Guerra. P: Applehead Pictures. D: Amanda Seyfried, Vanessa Redgrave, Gael García Bernal, Christopher Egan, Franco Nero, Oliver Platt, Luisa Ranieri, Marcia DeBonis u.a.
106 Min. Concorde ab 19.8.10

Aber bitte mit Sahne

Von Marieke Steinhoff »Was wäre wenn…« ist eine dieser Fragen, die in Momenten des Glücks verzücktes Erinnerungslächeln, in Momenten des Zweifels und Unzufriedenseins schlimmstes Bedauern auslösen kann, vermag man doch nur selten an den Punkt zurückzukehren, an dem man sich anders hätte entscheiden können.

Inbrünstig das Gegenteil zu behaupten ist eines der Merkmale romantischer Liebeskomödien, in denen jeder große Moment seine zweite Chance bekommt – so mal wieder gesehen im süß-sommerlichen Briefe an Julia: Die rüstige Engländerin Claire und die junge amerikanische Journalistin Sophie begeben sich zusammen mit Claires Enkel Charlie auf eine Reise in Claires Liebesvergangenheit. Und wo fahren kultivierte Engländer und gestreßte Amerikaner wohl hin, wenn sie auf der Suche nach der wahren Liebe sind? Natürlich nach Italien, fort von der Rationalität und Steifheit des anglophonen Kulturkreises direkt hin zu den naturverbundenen und leidenschaftlichen Italienern. Und siehe da, es hilft: Claire findet nach 50 Jahren ihre große Jugendliebe Lorenzo wieder – vital wie eh und je auf seinem Pferd herbeireitend – und Sophie erliegt in der Hitze der toskanischen Sonne dem smarten Charlie.

So vorhersehbar wie in Briefe an Julia ist selten von der Liebe erzählt worden: Man sieht Sophie, Schnitt zum Objekt ihres Blickes, dann wieder Sophie und ihre Reaktion – nichts bleibt offen in diesem Wechselspiel, alles wird überkommuniziert, und so wirken auch die Versuche, im Dialog ein wenig selbstreflexiv den Kitsch der Szenerie zu verbalisieren, hilflos und unmotiviert. Ein wenig Rettung verspricht da lediglich Vanessa Redgrave, elegant zurückhaltend in ihrem Spiel und trotzdem mit dem für einen Liebesfilm nötigen Schuß Sehnsucht und Leidenschaft in den blitzenden Augen. »People want to believe in true love«, weiß Sophie, und das mag wohl auch stimmen, aber für die schöne Illusion bedarf es dann doch ein bißchen mehr als nur schöne Schauspieler und schöne Landschaften. 2010-08-17 10:48
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