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Themba

D/ZA 2010. R,B: Stefanie Sycholt. K: Egon Werdin. S: Hansjörg Weißbrich. M: Annette Focks. P: Zeitsprung Entertainment, Rheingold Films. D: Simphiwe Dana, Jens Lehmann, Melabantu Maxhama, Anisa Mhlungula, Sean Cameron Michael, Patrick Mofokeng, Patrick Mölleken, Mihile Mtakati u.a.
108 Min. Alpha Medienkontor ab 5.8.10

Elends-Exploitation

Von Carsten Happe Jens Lehmann wurde wieder einmal ein Zettel zugesteckt. Anders als im WM-Viertelfinale 2006 standen diesmal nicht die argentinischen Elfmeterschützen drauf, auch nicht die durchaus zahlreichen Dialoge, die er in Themba sprechen darf, sondern offenbar die Botschaft, die der deutsch-südafrikanische Fußballfilm übermitteln will. Dementsprechend ehrfurchtsvoll geht Lehmann in seiner Rolle als Talent Scout Big John auch zu Werke, er macht seine Sache allerdings gar nicht mal so übel. Damit steht er in Themba jedoch beinahe auf verlorenem Posten. Nicht genug, daß der allzu gut gemeinte Film sein Anliegen unmißverständlich ans Publikum transportieren will, er wählt dazu auch die denkbar unglücklichste Taktik.

Nach der fürs Gastgeberland durchaus gelungenen Fußballweltmeisterschaft ist es nur zu verständlich, die wirklich drängenden Probleme Südafrikas wieder zu thematisieren – nein, das Vuvuzela-Getröte gehört nicht dazu – aber es ist ein sehr schmaler Grat, nicht in Betroffenheitsklischees zu verfallen, wenn so gewichtige Themen wie die AIDS-Problematik, Armut- und Gewaltdiskurse in einer exemplarischen Story, einem negativ wie auch positiv überladenen Einzelschicksal durchexerziert werden.

Daß der anfangs 11jährige Protagonist auch noch Themba heißt, was in der Sprache der Xhosa soviel wie Hoffnung bedeutet, daß er ein dermaßen talentierter Nachwuchskicker ist, dessen Karriere bis in die Bafana Bafana trägt, mag man der gleichnishaften Geschichte noch verzeihen, wie schludrig allerdings die Fußballszenen inszeniert sind, wie wenig das angebliche Ausnahmetalent ins Bild gesetzt und exponiert wird, ist kaum nachvollziehbar. Und wenn dann noch der Profifußball als Ausweg aus dem Elend der Unterprivilegierten proklamiert wird, bleibt nicht nur mit einem Seitenblick auf das kolonialherrschaftliche Gebaren der FIFA in Südafrika ein ziemlich schaler Beigeschmack.

Die Binsenweisheit, daß gut gemeint und gut gemacht ein unüberbrückbarer Gegensatz sei, was Harald Schmidt in seinem Soloprogramm »Schmidtgift« einen denkwürdigen Lacher einbrachte, bewahrheitet sich mit dieser übermotivierten, wenig subtilen Elends-Exploitation ein weiteres Mal. Und wer Botschaften habe, so konstatierte bereits der große Billy Wilder, solle eben ein Telegramm schicken. Auch in heutiger Zeit wäre das immer noch wirksamer als Jens Lehmann oder Zahlenkolonnen vorm Abspann dafür einzuspannen. 2010-08-02 09:10
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