Babys

Babies. F 2009. R: Thomas Balmes. K: Jérôme Alméras, Steeven Petitteville. S: Clau Reynald Bertrand, Craig McKay. M: Bruno Coulais. P: Chez Wam, Studio Canal.
78 Min. Kinowelt ab 19.8.10

Das Leben ist schön

Von Karsten Rohrbeck »Vier Babys in vier Ländern …«. Manchem verheißt das ein fragwürdiger sozial- und imperialismuskritischer Ethno-Trip zu werden. Dankbarerweise ist Babys genau das nicht!

Epembe in Namibia, die mongolische Steppe, Tokio, Japan und Oakland bei San Francisco, USA. Immer weiter ostwärts schreitet diese Aufzählung, immer näher der aufgehenden Sonne strebt sie entgegen. Tatsächlich strahlt mit jedem Kind, das wir in Babys kennenlernen dürfen, die Sonne in uns selbst ein Quentchen heller. Nicht weniger als das Leben selbst scheint hier von der Leinwand auf uns herab. Das bereitet Freude, macht heiter und läßt uns mit Begeisterung in Eskapismus suhlen. Ohne Scham und Reue. Denn es ist keine Flucht aus dem Leben, sondern hinein. Weg von all dem Künstlichen und Virtuellen, dem Anderen, in das uns das Kino sonst zu saugen sucht.

Thomas Balmès' Film zeigt, daß Dokumentarfilm sehr wohl noch dokumentarisch sein kann, weit weg davon, meinungsmacherisch oder polemisch zu sein. Die Kamera ist immer ruhig, als wäre sie selbst fasziniert von dem Bild, das sich ihr bietet. Diese Faszination geht aus von jenen kleinen Häufchen Energie, die sich Ponijao, Bayar, Mari und Hattie rufen, wenn sie mit allen Sinnen alles an- und aufnehmen. Mit Neugier ausprobieren, staunen, scheitern, verzweifeln, sich erneut versuchen – was nach einem Konzept klingt, machen uns die Kleinsten ohne jeden Gedanken daran vor. Von Plan keine Spur. Das ist keinem von uns neu, und doch macht es Spaß, dabei zuzusehen.

Daß das alles ohne Worte auskommt, versteht sich von selbst. Daß uns zugleich debiles Gelalle und Geblubber in Manier regreßter Eltern erspart bleibt, ist ein weiteres Verdienst von Babys, dem man gar nicht dankbar genug sein kann. Die vier frisch zur Welt gekommenen werden hier erstaunlich ernst genommen. Man kommt ins Grübeln: was heißt es, zu sich selbst zu kommen? Besteht es darin, jemand zu werden – oder schlicht, bei sich selbst zu bleiben, bis wir begreifen, was das heißen mag?

Doch weder Bruno Coulais' Musik noch die Montage wollen etwas zur Wahrnehmung bringen, was nicht eh schon im von Balmès und seinen Kollegen Gefilmten liegt. Das entspannt und macht die Bilder zu etwas Selbstverständlichem, ohne falsche Tiefe zu suggerieren. Schön, daß es so etwas noch gibt. 2010-08-12 12:32

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