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Twelve

USA/F 2010. R: Joel Schumacher. B: Jordan Melamed. K: Steven Fierberg. S: Gordon Grinberg, Paul Zucker. M: Harry Gregson-Williams. P: Gaumont, Original Media, Radar Pictures. D: Chace Crawford, Emma Roberts, Rory Culkin, Curtis Jackson, Ellen Barkin, Zoë Kravitz u.a.
95 min. Tobis ab 14.10.10

Die Jugend von gestern

Von Carsten Happe Man könnte vermuten, Joel Schumacher sei mit seinen siebzig Jahren mittlerweile zu alt, um über High School- und Collegekids zu erzählen, aber er war schon immer nah am Puls der Jugend: Mitte der 1980er Jahre mit seinem exemplarischen Brat-Pack- Movie St. Elmo’s Fire, mit dem Teenie-Horror der Lost Boys, den Nahtod-Experimenten der Medizinstudenten in Flatliners Anfang der 1990er oder den jungen Vietnam-Rekruten im 2000er Tigerland. Nun also die Verfilmung des Erfolgsromans Twelve von Nick McDonell, der gerade mal siebzehn war, als sein Erstlingswerk hohe Wellen schlug.

White Mike ist die Hauptfigur in Buch und Film, der High School-Absolvent hat vor dem College ein Jahr Auszeit genommen, um das Leben zu spüren auf den Straßen New Yorks und vor allem: um Drogen zu verkaufen. Fünf Tage dauert seine Odyssee durch die Upper-Class des Big Apple, die tote Zeit zwischen Weihnachten und Silvester, und sie kulminiert in einer fatalen Party zum Jahresausklang, bei der die synthetische, vermeintliche Wunderdroge »Twelve« den Kick für eine dramatische Wendung gibt.

Acht Jahre liegen zwischen der Veröffentlichung des Romans und des Films, und diese Zeitspanne ist der Adaption leider anzusehen, sie wird ihr zum Verhängnis. Das Milieu der Story wurde in TV-Serien wie Gossip Girl bereits bis ins Kleinste seziert – Hauptdarsteller Chace Crawford ist kaum zufällig auch hier an Bord. Der Grundton von Twelve ist zwar fast naturgemäß einige Nuancen dunkler, doch in seiner Erzählweise und Inszenierung wirkt er beinahe behäbig und überholt. Die fragmentarische Dramaturgie der Vorlage funktionierte auf Papier weitaus besser als auf der Leinwand, wo ein fast pausenlos eingesetzter Off-Kommentar von Kiefer Sutherland versucht, die losen Enden beisammen zu halten. Mit Twelve ist Joel Schumacher zwar erneut am Puls der Jugend – allerdings etwa zur Zeit des Jahrtausendwechsels. 2010-10-11 17:39

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #59.

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