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Toy Story 3

USA 2010. R: Lee Unkrich. B: Michael Arndt. K: Jeremy Lasky. S: Ken Schretzmann. M: Randy Newman. P: Pixar Animation Studios, Walt Disney Pictures.
103 Min. Walt Disney ab 29.7.10

Staying in Character

Von Asokan Nirmalarajah Am Anfang stand – und darauf ließe sich wohl auch der Erfolg aller folgenden Pixar-Filme zurückführen – eine Idee, die nicht wenige Kinder schon lange vor den kreativen Hawaiihemdenträgern in der populärsten Trickfilmschmiede des letzten Jahrzehnts hatten: Spielzeuge führen ein geheimes Eigenleben. John Lasseter & Co. nahmen sich dieser Kinderfantasie an und formulierten sie in dem computeranimierten Kurzfilm Tin Toy und dem darauf basierenden ersten Pixar-Film Toy Story als ebenso amüsantes wie bewegendes Identitätsdrama anthropomorpher Stoff- und Plastikfiguren aus, die sich inmitten putziger Slapstickkomik und rasanten Verfolgungsjagden die essentielle Grundfrage stellten: Spielzeug-Sein oder Nichtsein? Eine Frage, die im Laufe von zwei zurecht euphorisch rezipierten Filmen bereits in all ihren Facetten behandelt schien: Die Verlustängste der Cowboyfigur Woody und die Sinnkrise der Astronautenfigur Buzz Lightyear wurden mal bezüglich ihrer Rivalität um die Gunst ihres menschlichen Besitzers Andy, mal auf Basis ihrer illustren Backstory als die populärsten Spielzeuge ihrer jeweiligen Produktionsära problematisiert. Der aufgrund eines Rechtsstreits zwischen Pixar und Disney erst nach elf Jahren und nach dem Pixar-Hattrick von Ratatouille, Wall·E und Oben nachgeschobene dritte Teil der Reihe weckte deshalb auch die Besorgnis, die man bei Sequels immer hat: »more of the same, yet nothing new«.

Und zumindest für das erste Drittel trifft das zu. Trotz eindrucksvoller Tricktechnik und 3D-Bonus verfügt Toy Story 3 anfangs über dieselben Situationen, dieselbe Charakterkomik nicht mehr ganz so frischer Hauptfiguren, und dieselbe, zu oft wiederholte Grundsatzfrage: Soll man als Spielzeug immer für den mittlerweile erwachsen gewordenen Andy da sein, notfalls auch auf dem Dachboden, oder soll man sein Glück bei anderen Kindern suchen, die täglich mit einem spielen? Was sich soweit als biedere motivische und inhaltliche Summation der Reihe präsentiert, erreicht die nächste Evolutionsstufe erst mit dem brillanten Auftritt von Mr. Pricklepants, einem selbstgefälligen Spielzeug, das es vorzieht, »in character« zu verbleiben. Gesprochen von Timothy Dalton, dem Shakespeare-Mimen, der es damals auch vorzog, die Darstellung von James Bond besonders ernst zu nehmen, handelt es sich bei der Figur um eine von vielen neuen, erfrischenden Spielfiguren, die den Film revitalisieren: vom eitlen Mädchenspielzeug Ken über den traurigen Clown Chuckles, dem tätowierten Big Baby bis hin zum charismatischen Bösewicht Lots-o'-Huggin'-Bear. Ab diesem Punkt schwingt sich der Film auch zu den bewährten Pixar-Höhen, wechselt virtuos zwischen düsterem Charakterdrama, alberner Slapstickkomödie und packendem Ausbruchsthriller mit intensiven Horrormomenten. Am Ende steht dann die Einsicht, daß es sich bei dem Film nicht nur um ein weiteres, beliebiges Spielzeug-Abenteuer handelt, sondern um den etwas durchwachsenen, aber letztlich herzerweichenden Abschluß einer Trilogie. 2010-07-26 09:57

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