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Kleine Wunder in Athen

Akadimia Platonos. GR/D 2009. R: Fillipos Tsitos. B: Alexis Kardaras. K: Polidefkis Kirlidis. S: Dimitris Peponis. M: Nikos Kypourgos. P: Twenty Twenty Vision, Bad Movies u.a. D: Antonis Kafetzopoulos, Anastasis Kozdine, Yorgos Souxes, Maria Zorba, Kostas Koronaios u.a.
103 Min. Neue Visionen ab 22.7.10

Grieche oder nicht Grieche?

Von Arezou Khoschnam Wo die absurden Kommentare einer senilen alten Frau nicht traurig machen, sondern zum Schreien komisch sind und sich am Bellen oder Nichtbellen eines Hundes entscheidet, ob jemand Albaner ist oder Grieche, ist eines mit Sicherheit klar: Political Correctness war einmal! Mit seinen herrlich verschrobenen Figuren nimmt Regisseur Fillipos Tsitos in seiner etwas anderen Multikulti-Komödie sein eigenes Volk gehörig auf die Schippe. In seinem Film sind die Griechen allesamt rauchende, albanerhassende Patrioten, die immerwährend meinen, die Weisheit mit der Muttermilch aufgesogen zu haben.

Hört man sich den Unsinn an, den Stavros und seine Freunde tagtäglich von sich geben, mag man kaum glauben, welch unglaubliche Leistungen ihre antiken Vorfahren einst vollbracht haben. Von einem Blick über den eigenen Tellerrand kann da kaum die Rede sein. Es sei denn, die Umstände zwingen einen dazu. So wie bei Stavros.

Der unter chronischer Schlaflosigkeit leidende Kioskbesitzer und seine Kumpels sind notorische Gammler. Mit dem routinierten Alltag ist es vorbei, als mitten auf dem Platz vor seinem Laden ein Denkmal für »interkulturelle Solidarität« gebaut werden soll. Und überhaupt, was soll »interkulturell« eigentlich bedeuten? Als sei das alles nicht schon schlimm genug, meint Stavros' senile Mutter, in einem Albaner ihren verlorenen Sohn wiederzuerkennen und spricht urplötzlich albanisch. Vorbei die Zeiten also, als Stavros aus voller Überzeugung die Liedzeile »Albaner, ihr werdet niemals Griechen sein!« singen konnte. Nun muß er sich damit auseinandersetzen, daß er womöglich selbst ein Albaner ist und seine Freunde – allesamt Griechen – daran zweifeln, ob es überhaupt noch legitim ist, wenn Stavros alias Remzi mit in den Chor einstimmt.

Die schräge Komödie schneidet zwar ernste Themen wie interkulturelles Zusammenleben, gegenseitige Akzeptanz und nationale Identität an, präsentiert sich insgesamt aber in einer sommerleichten Verpackung. Also, reingehen, den Spaß genießen und über den eigenen Tellerrand schauen. 2010-07-19 11:01

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Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #59.
© 2012, Schnitt Online

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