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Marmaduke

USA 2010. R: Tom Dey. B: Tim Rasmussen, Vince Di Meglio. K: Greg Gardiner. S: Don Zimmerman. M: Christopher Lennertz. P: Davis Entertainment, Intrigue, Regency Enterprises, Twentieth Century Fox Film Corporation. D: Owen Wilson, Emma Stone, George Lopez, Raugi Yu, Christopher Mintz-Plasse, Steve Coogan, Stacy Ferguson, Kiefer Sutherland u.a.
88 Min. Fox ab 15.7.10

Zieh an meiner Pfote

Von Christian Simon Eine kurze Geschichte der Furzwitzfilme: Sie sind nicht lustig. Ob sie lustiger werden, wenn sich eine computeranimierte dänische Dogge für den entscheidenden Part verantwortlich zeichnet, darf mit Recht bezweifelt werden. Daß die Witze jedoch in Tom Deys Marmaduke – einmal zu Beginn, einmal zum Abspann – als humoristischer Rahmen für viel naive Gutmütigkeit dienen, mag den ein oder anderen Freund disneyhaften Spaßes zu der entschuldigenden Haltung verleiten, man solle das doch bitte nicht so eng sehen. Dabei ist so ein Furzwitz durchaus ein Statement hinsichtlich der gesellschaftlichen und cineastischen Positionierung eines Films. Im Mindesten aber ist er das Produkt einer bewußten Entscheidung in den Kreativabteilungen von Drehbuch, Regie oder Marketing. Irgendwer mußte ja schließlich der Überzeugung gewesen sein: Ganz klar, was dieser Szene fehlt ist ein Darmwind. Verleihe und Kinobetreiber in Deutschland scheinen da ganz ähnlicher Meinung zu sein. Denn anders ist es kaum zu erklären, warum es ein in Handlung und Umsetzung nicht weiter nennenswerter TV-Film wie Marmaduke überhaupt in die Kinos geschafft hat. Da können auch die prominenten Sprechrollen von Owen Wilson, George Lopez, Kiefer Sutherland und Fergie – in der deutschen Fassung bemühten sich Christian Ulmen, Nora Tschirner und Bülent Ceylan – leider nur wenig herausreißen.

Marmaduke, basierend auf einem Zeitungscomic von Brad Anderson, überträgt das Storygerüst einer klassischen Coming-of-Age-Geschichte von der Menschen- in die Tierwelt, in welcher die großgewachsene Dogge Marmaduke (gesprochen von Christian Ulmen) samt Menschenfamilie ein neues Leben im kalifornischen Orange County beginnt. Dort muß sie sich auf dem Hundeplatz durchsetzen wie ein Teenager in der High School. Herrchen und Frauchen, gespielt von Lee Pace und Judy Greer, haben hierbei ihre eigenen Schwierigkeiten mit dem Neuanfang, insbesondere mit ihren Kindern, die lieber im beschaulichen Kansas geblieben wären. Das Drehbuch zitiert hier zahlreich aus Fernsehserien wie O.C. California und Beverly Hills, 90210, sowohl was die kalifornische Sonne, aber auch was die Tugendhaftigkeit ihrer Protagonisten angeht. Leider wird recht bald klar, daß sich hieraus wie auch durch die Verlagerung der Geschichte in die Hundewelt leider kein Mehrwert irgendeiner Art ergibt. Die Handlung hangelt sich an bekannten Genremotiven entlang, hin zu einem übergroßen Finale, das seine »Sei du selbst«-Moral durchfechtet, bis auch die letzten Zwei- und Vierbeiner ihre Lektion fürs Leben gelernt haben.

Produzent John Davis bietet mit Marmaduke einen Film, der nahtlos an die jüngeren Einträge in seinem Lebenslauf – wie Garfield, Fat Albert oder die Dr.-Doolittle-Filme – anschließt. Der Grundsatz dieser modernen Kinder- und Familienunterhaltung ist dem Funktionsprinzip der Blockbusterfilme, mit dem Davis durch I, Robot oder Paycheck auch seine Erfahrung hat, nicht unähnlich: Für jeden Zuschauer im Kino soll etwas geboten werden. So ist es dieser Tage nicht nur wichtig, die Zielgruppe zu unterhalten, sondern auch deren danebensitzende Eltern. Sieht man von dem ein oder anderen (sicher unbeabsichtigten) Blick in Judy Greers Ausschnitt ab, streut Marmaduke zu diesem Zweck in erster Linie einige wahllose Filmzitate aus – wobei das gelungenste darunter, zu Cameron Crowes Almost Famous, leider den Heldentod im deutschen Synchronstudio gestorben ist. Aufgrund seiner inhaltlichen wie konzeptuellen Formelhaftigkeit erhebt sich Marmaduke nie über den Status von Massenware, die bewährten Rezepturen folgt. Und natürlich, irgendwo hat die zweite Garnitur Hollywoods ja Recht. Warum in eine Handlung investieren, wenn man einen computeranimierten Hund hat. Denn – so zeigte schon Loriots Sketch »Der sprechende Hund« – selbst wenn dieser nichts von Belang erzählen darf, dann tut's auch ein Furzgeräusch. 2010-07-09 11:55

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