— — —   DER SCHNITT IST OFFLINE   — — —

Schön bis in den Tod

Sorority Row. USA 2009. R: Stewart Hendler. B: Josh Stolberg, Pete Goldfinger, Mark Rosman. K: Ken Seng. S: Elliot Greenberg. M: Lucian Piane. P: Karz Entertainment, Summit Entertainment. D: Briana Evigan, Leah Pipes, Rumer Willis, Jamie Chung, Margo Harshman, Julian Morris u.a.
101 Min. Concorde ab 1.7.10

Malen nach Zahlen

Von Nils Bothmann Seit einigen Jahren erfreuen sich Remakes im Horrorbereich großer Beliebtheit, vor allem im Subgenre des Slasherfilms. Die drei großen Klassiker dieser Filmgattung (Halloween, Freitag, der 13te, A Nightmare on Elm Street) sind mittlerweile alle neuaufgelegt worden, doch auch kleinere Genrehighlights und Beinahe-Klassiker wurden wiederaufbereitet. Einige davon (Prom Night, April Fool’s Day) wanderten direkt in die Videotheken, andere wie Black Christmas oder My Bloody Valentine durften noch über die Kinoleinwand flimmern. Nun also einer der jüngsten Beiträge zu der Welle: Sorority Row, das Remake des in Deutschland bisher noch nicht erschienenen The House on Sorority Row von 1983.

Nun handelt es sich bei vielen Originalen bereits um weitestgehend innovationslose Fließbandprodukte, die sich damals an den Erfolg von John Carpenters Halloween – Die Nacht des Grauens anhängen wollten und sich dabei streng an die von Carpenters Meilenstein aufgestellten Regeln hielten – eine Eigenschaft, die Remakes wie Sorority Row ebenfalls nicht ablegen. Als Initialverbrechen liegt hier ein Studentenstreich mit tödlichem Ausgang zugrunde, den die Beteiligten vertuschen, bei denen es sich allesamt um Klischeefiguren aus dem Bilderbuch handelt: Neben dem tugendhaften Final Girl wären da noch die blonde Oberbitch, die (natürlich bebrillte) Streberin, die obligatorische Vertreterin einer ethnischen Minderheit (hier ausnahmsweise mal asiatisch statt schwarz) und das leichte Mädel nebst deppertem Bruder. Diese Figuren werden irgendwie genannt und werden auch von irgendwem gespielt, aber man hat als Zuschauer hier partout nicht das Bedürfnis, sich Rollen- oder Darstellernamen zu merken.

Einige Monate nach dem Vorfall terrorisiert ein Unbekannter die Schuldigen erst mit Nachrichten, um sie (und einige Nebenfiguren) dann in der Reihenfolge der moralischen Verderbtheit nach und nach abzuschlachten (Tatwaffe: ein modifiziertes Wagenkreuz) – mit kleinen Ausnahmen, Blondie spart man sich natürlich für den Showdown auf. Der Genrekundige hat den Täter auch schon schnell ausgemacht, denn eine Nebenfigur ist zwar den gesamten Film über präsent, bietet aber keinen Anlaß für Verdachtsmomente – und muß der Logik des Slasherfilms zufolge dann natürlich der Täter sein. Nur das Motiv, das ist noch absurder als man anfangs vermutet.

Würde Sorority Row dabei tatsächlich irgend etwas aussagen wollen, dann wäre er (trotz gelegentlich aufblitzender Ironie) mit der Darstellung seiner Hauptfiguren als dauerbesoffene Schicksen vermutlich höchst problematisch in seiner Botschaft, doch soviel Überlegung leistet sich das »Malen nach Zahlen«-Drehbuch gar nicht, das einfach nur brav bekannte Genreversatzstücke aneinanderpappt. Doch immerhin: Die Regieleistung Stewart Hendlers, der nach einigen Kurzfilmen (einer davon sogar preisgekrönt) und Whisper nun seinen zweiten Spielfilm vorlegt, arbeitet so gut es geht gegen die Schwächen des Drehbuchs an. Bereits die einleitende, rund vierminütige Plansequenz, die durch das Haus der Studentinnenverbindung führt und mit einer großen Anzahl an Darstellern und Statisten arbeitet, zeugt vom handwerklichen Können des Regisseurs. Die Erschreck- und Mordszenen (seien wir ehrlich: fast immer das Herz eines Slasherfilms) mit ihren Schockeffekten und Irreführungen des Zuschauers sind ebenfalls versiert in Szene gesetzt, doch schlußendlich ist Sorority Row Fließbandware, die allenfalls hartgesottene Genrefans anlockt, die sich an ein paar blutigen Effekten und dem sporadischen Entblößen weiblicher sekundärer Geschlechtsmerkmale noch entsprechend ergötzen können. Es bleibt allerdings die Frage, warum solche Werke noch ins Kino gebracht werden, während einige der originellsten Horrorfilme der letzten Jahre (wie John Gulagers parodistisches »Creature Feature« Feast, J.T. Pettys Monsterfilm-Spätwestern-Crossover The Burrowers und Michael Doughertys herrlich ironischer Episodenhorror Trick 'R Treat) direkt in die Regale der Videotheken wandern. 2010-06-29 14:39
© 2012, Schnitt Online

Sitemap