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Kiss & Kill

Killers. USA 2010. R: Robert Luketic. B: Bob DeRosa. K: Russell Carpenter. S: Mary Jo Markey. M: Rolfe Kent. P: Lionsgate, Katalyst Productions. D: Ashton Kutcher, Katherine Heigl, Tom Selleck, Catherine O'Hara, Katheryn Winnick, Kevin Sussman, Lisa Ann Walter, Casey Wilson u.a.
100 Min. Kinowelt ab 5.8.10

(K)ein Mann ohne Schnurrbart

Von Asokan Nirmalarajah Der Clou von James Camerons True Lies und von Doug Limans Mr. and Mrs. Smith – zwei Kinoerfolge, aus deren Ideenfundus sich Robert Luketics glatte, einfallsarme Thrillerkomödie Killers großzügig bedient, – bestand nicht darin, daß Arnold Schwarzenegger, Brad Pitt und Angelina Jolie internationale Spione bzw. Auftragskiller spielten. Der drollige Humor dieser albernen Actionkomödien rührte eher daher, daß die überlebensgroßen Hollywood-Stars mit ihren markanten Persönlichkeiten versuchten, ganz gewöhnliche Durchschnittsbürger aus den US-amerikanischen Suburbs zu verkörpern. Nicht das genregerecht extravagant-überdrehte Doppelleben dieser in der Kunst des Tötens versierten Actionhelden schien unglaubwürdig, sondern ihre groteske Domestizierung: Allein die Vorstellung, unser Arnold arbeite tagsüber als langweiliger Computerfachmann! Oder die größten Sexsymbole der Klatschpresse Brad und Angelina hätten ein langweiliges Sexleben! Der sowohl in den USA als auch hierzulande phantasielos betitelte Killers hat nun das gravierende Problem, das seine zwei uncharmanten Hauptdarsteller weder als gewöhnliches Ehepaar, noch als Actionhelden überzeugen können.

Ashton Kutcher, der mittlerweile bekannter ist für seinen nimmermüden Twitter-Account, auf dem er Fotos vom durchtrainierten Hintern seiner Ehefrau hochzuladen beliebt, als für seine blassen Filmrollen oder seine einst erfolgreichen Fernsehformate, bemüht sich zwar redlich in seiner neuesten Eigenproduktion. Aber egal wie durchtrainiert, weltmännisch und konzentriert er auch auftreten mag, nicht für einen Moment nimmt man dem immer noch leicht knabenhaft aussehenden Medienliebling den desillusionierten Ex-Auftragskiller ab. Das wäre eigentlich auch nicht so schlimm, würde der Film als die überhöht-selbstironische romantische Komödie funktionieren, als die er sich von Anfang an präsentiert. Im Zentrum des Films steht nämlich die nicht weniger verloren wirkende und mit ihrem Leinwandpartner überhaupt keine Chemie vorzuweisende Katherine Heigl als anstrengende Blondine, die zuerst nichts vom gefährlichen Doppelleben ihres Gatten weiß und im nächsten Moment ebenso (in)kompetent wie Kutcher mit der Waffe im Anschlag vor ihren unzähligen Angreifern steht. Einer Vollblutmimin wie Jamie Lee Curtis kauft man diese hanebüchene Wandlung problemlos ab, der nervigen Heigl weit weniger. In diesem Kontext ist auch bemerkenswert wie sehr der Film eigentlich Ashtons muskulösen Oberkörper fokussiert und die etwas rundlichere Protagonistin links liegen läßt.

Das könnte man sich wohl mit dem vorwiegend weiblichen Zielpublikum des Films erklären. Die erotische Ausstellung des Männerkörpers ist aber auch ein weiteres Indiz für den Wechsel von einem alten zu einem neuen dominierenden Männlichkeitstyp in der westlichen Kultur: Der gesamte Film ließe sich verstehen als ein Abgesang auf die behaarten, rauen, forschen Schnurrbartträger der 1980er Jahre wie etwa Burt Reynolds, Sean Connery und Tom Selleck und als eine simultane Hymne auf den neuen Mann, den haarlosen, zerbrechlichen, sensiblen Metrosexuellen des letzten Jahrzehnts wie zum Beispiel Robert Pattinson, Ryan Reynolds oder eben Ashton Kutcher. So ist es auch passend, daß Kutchers humorloser Schwiegervater von Selleck gespielt wird, der hier genug Gelegenheit bekommt, seinen legendären Magnum-Schnurrbart auszustellen. Neben dem Aufeinandertreffen gegensätzlicher Männlichkeitstypen kann man beobachten, wie gekonnt Catherine O'Hara den im Grunde flachen Gag der ständig betrunkenen Schwiegermutter auszureizen weiß, und wie der stumpfsinnige Film hier und da Suburbia als paranoide Oberflächenwelt voll potentieller Auftragskiller neu erfindet. Aber all das täuscht nicht darüber hinweg, wie selten Killers den richtigen Ton trifft und die Zuschauer über weite Strecken mit flacher Komik, hektisch gefilmten Actionszenen und reichlich leerer Luft hinhält, um am Ende nicht mit einem Knall, sondern mit einem biederen Happy End zu schließen. Und wir haben gelernt: Nicht allen Männern steht der Schnurrbart. Nur Magnum. 2010-07-30 17:10
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