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Pippa Lee

The Private Lives of Pippa Lee. USA 2009. R,B: Rebecca Miller. K: Declan Quinn. S: Sabine Hoffmann. M: Michael Rohatyn. P: Elevation Filmworks, Lumina Films, Plan B Entertainment. D: Robin Wright Penn, Blake Lively, Alan Arkin, Keanu Reeves, Maria Bello, Monica Bellucci, Winona Ryder, Julianne Moore u.a.
98 Min. Senator ab 1.7.10

Private…

Von Julian Bauer The Private Lifes of Pippa Lee beginnt mit einer Großaufnahme von Pippa Lee im Spiegel. Das Bild oszilliert zwischen Schärfe und Unschärfe und damit auch zwischen Nähe und Undeutlichkeit, Privatsphäre und Distanz. Die Einstellung verweist damit schon auf die Uneindeutigkeiten der Person Pippa Lee, auf ein anderes, im Alltag nicht zu Tage tretendes Ich. Der Blick in den Spiegel, der sich selbst objektiviert. Ganz anders als der Kamerablick in die Weite am Ende des Films.

Vorerst weitet sich das Bild von Pippa Lee eindimensional aus: Sie ist die Frau eines Verlegers, in mittleren Jahren, ihr Mann hingegen 30 Jahre älter. Sie ist Hausfrau und Mutter zweier erwachsener Kinder, sie ist »caring and giving«, oder, wie ein Freund der Familie bemerkt, »a true artist's wife«. Sie ist devot. Ein Pfiff des Ehemannes aus dem Off läßt Pippa im Bild wie einen herbeigerufenen Hund auf dem Kanapee neben ihm Platz nehmen. Doch langsam vermögen es Pippas Erinnerungen an die Vergangenheit im Parallelschnitt dieses Bild aufzulösen. Die Erinnerungen sind an den Übergängen der Erzählung beinahe wie in die Gegenwart amalgamiert.

Zweifel an der Lebensführung entstehen. Gemächliche Midlifecrisis. Das Unheimliche tritt zu Tage. Pippa Lee wandelt Schlaf und entdeckt nach und nach die Spuren des Verdrängten. Die im Haus installierte Kameraüberwachung entdeckt ihre Nachtaktivität. Das Geheime muß erst überwacht werden, um es verständlich zu machen.

Das zu Tage tretende Private zeigt sich auch räumlich: Das steril-schöne lichtdurchflutete Eigenheim scheint dem Innenraum eines Autos entgegengesetzt: Die Kamera verweilt außerhalb, fokussiert auf die Insassen, während sich in den Fensterscheiben die vorüber ziehenden Bäume spiegeln. Die Fahrzelle erscheint grenzenloser. Überhaupt wird das Auto ein Ort der Befreiung, weil es selbst nicht ortsgebunden ist. Hier kann Pippa Sex haben, schlafwandelnd rauchen, ihrer zusammenbrechenden Welt entfliehen, in die Weite fahren. So ist das letzte Bild des Films eine klischierte Metapher auf die Landstraße als Weg in die Zukunft. 2010-06-28 14:25

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