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Das Lied von den zwei Pferden

D 2009. R,B: Byambasuren Davaa. K: Martijn van Broekhuizen. S: Jana Musik. M: Ganpurev Dagvan. P: ATRIX Films. D: Urna Chahar-Tugchis, Chimed Dolgor, Hicheengui Sambuu u.a.
90 Min. Polyband ab 3.6.10

Gegen den Gleichklang

Von Marieke Steinhoff In Anbetracht der fortschreitenden Globalisierung erfreuen sich Filme über lokal verankerte traditionelle Lebensformen großer Beliebtheit, scheinen sie doch der befürchteten Kulturhomogenisierung die Illustration kultureller Vielfalt entgegenzusetzen. In Deutschland hat sich insbesondere die junge Dokumentarfilmregisseurin Byambasuren Davaa einen Namen mit Geschichten über alte Bräuche und Lebensweisen des mongolischen Volkes gemacht; sei es ihr hoch gelobtes Erstlingswerk Die Geschichte vom weinenden Kamel, daraufhin folgend Die Höhle des gelben Hundes oder aktuell Das Lied von den zwei Pferden, im Mittelpunkt der Filme steht immer die Weite der mongolischen Landschaft sowie das Anliegen, dem Vergessen traditioneller Rituale und Erzählungen durch die Bebilderung eben dieser entgegenzuwirken. Dem »global village« stellt Davaa das »local village« gegenüber, und so können ihre Filme als Versuch gelesen werden, kulturelle Eigenheiten entgegen homogenisierender Tendenzen zu bewahren.

Urna, die Protagonistin im aktuellen Dokudrama Das Lied von den zwei Pferden, bringt diese Gedanken auf den Punkt, wenn sie rückblickend von ihrem Musikstudium in Shanghai erzählt und konstatiert, den Studenten, die aus allen Teilen des Landes kamen, sei im Studium der jeweilige »kulturell eigene« Klang abtrainiert und ein »Gleichklang« antrainiert worden – von den kulturellen Unterschieden sei so nichts mehr übrig geblieben. Urna spricht sich vehement gegen diesen Gleichklang aus und macht sich stattdessen auf die Suche nach den Bräuchen und Traditionen ihrer Vorfahren, welche durch das verloren geglaubte Lied »Die zwei Pferde des Dschingis Khan« verkörpert werden.

Davaa begleitet Urna auf ihrer Reise quer durch die Mongolei und findet für ihre Suche nach den verloren gegangenen Liedstrophen ruhige, fast schon meditative Bilder, denen man die sorgfältige Inszenierung ansieht. Die Bevorzugung des Stilisierten gegenüber dem Spontanen, inszenierter gegenüber dokumentarischer Sequenzen, führt teilweise allerdings zu einer wohl ungewollten Distanz zum Geschehen; vermeintlich zufällige Begegnungen wirken gestellt und einstudiert, wodurch ihre Glaubwürdigkeit verloren geht. Auch verfährt die Montage nicht gerade subtil mit ihrem Material, wenn beispielsweise betörend-mystische Aufnahmen eines Schamanenrituals Müll suchenden Mongolen in der Großstadt gegenübergestellt werden. Davaa bleibt so einer Dichotomie verhaftet, welche der komplexen Verstrickung von Globalem und Lokalem nicht immer gerecht wird. So wird man leider das Gefühl nicht los, Teil einer pädagogischen Mission zu sein, in welcher die Botschaft von Beginn an feststeht und das Gezeigte seiner Mehrdeutigkeit beraubt wird. 2010-05-31 10:56
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