Die Pizza ist kalt
Von Carsten Tritt
Das Bedauerliche am Genre des Teenie-Slashers ist zumeist, daß ihm das subversive Element, welches viele Werke des sonstigen Horrorkinos begleitete – ein gutes Beispiel hierfür ist etwa Wes Cravens Frühwerk
The Last House on the Left – fast völlig fehlt, um stattdessen in einer seriellen Konformität zu funktionieren. Nicht zuletzt ist es vor allem ein Denken in Filmreihen, welches das Genre prägt –
Nightmare On Elm Street,
Halloween und
Freitag, der 13. kommen auf insgesamt 30 Kinofilme,
Scream,
Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast und
Final Destination auf zusammen zehn. Und auch wenn John Carpenters Genrebegründer
Halloween dereinst äußerst frisch und intelligent war, bestätigte spätestens das kommerzielle Fehlschlagen von
Halloween III, daß die meisten Rezipienten dieser Werke Abweichungen vom gewohnten und vertrauten Grusel eher ablehnend gegenüberzustehen scheinen.
Dies bedeutet nicht, daß die Filme nicht gut gemacht oder unterhaltsam sein müssen – der erste
Nightmare aus dem Jahr 1984 ist z.B. ein großartiger Film. Es ist aber auffällig, daß das Genre außer dem ersten
Halloween zumindest in den USA kein wirkliches Meisterwerk, sondern zumeist eher ordentlich gemachtes Hollywood-Fließbandkino hervorgebracht hat. Gerade die
Nightmare-Filme, die hier schon zum Unterhaltsamsten zählen, wirken daher wie verpaßte Chancen, mehr zu leisten, indem sie zwar ein ständiges Wechseln zwischen Realität und Traumwelt zum Gegenstand haben, jedoch dieses Potential zum Unwirklichen nie so intensiv ausgenutzt haben, wie es z.B. den nur entfernt genreverwandten
Hellbound - Hellraiser II oder
Silent Hill gelang. Und leider macht das
Nightmare on Elm Street-Remake hier auch keine Ausnahme: Die Träume sind tricktechnisch zwar ordentlich, aber doch recht uninspiriert und auch uneinheitlich umgesetzt. In der Anfangssequenz in einem Schnellrestaurant wird noch sehr schön, wenn auch nicht sonderlich originell mit einer surrealen Beleuchtung gearbeitet, andere Träume, wie ein verbrannter Schulraum oder ein verschneites Zimmer bleiben hingegen lustlose Adaptionen bereits zu oft Gesehenens. Der Großteil des Films, so etwa die Szenen der Fabrik, in denen Antagonist Krueger vor Beginn der Filmhandlung in sein untotes Dasein überführt wird, wirkt zu naturalistisch, um wirklich filmisch gefangen zu nehmen.
Auch die Handlung ist nur eine, etwas neu sortierte und behutsam modernisierte aber unentschuldbar brave Nacherzählung, in der sogar die eigentlich sonst genreübliche Tittenszene schmerzlich vermißt wird. Sie verliert zudem dadurch im Vergleich zu dem Original bzw. den Vorgängern, daß Robert Englund, dessen Darstellung des Freddy Krueger maßgebliche Erfolgsgrundlage der bisherigen Filme war, durch Jackie Earle Haley ersetzt, Haley jedoch nicht die Gelegenheit gegeben wurde, hier wirklich etwas Neues und Eigenes zu entwickeln; freilich soll nicht ausgeschlossen werden und bleibt zu hoffen, daß der neue Darsteller im alten Pullover dieses Manko in eventuellen weiteren Fortsetzungen noch behebt.
Dieses Remake hätte schlimmer sein können, ist aber von der Reihe der verpaßten Chancen des Genres eine der offensichtlichsten. Den Rezensenten und vermutlich auch das Publikum der alten Filme wird
Nightmare on Elm Street mit schulterzuckender Gleichgültigkeit zurücklassen. Andererseits ist zu beachten, daß der doch augenscheinlich sehr in Hinblick auf die heutige Teenagergeneration produzierte
Nightmare on Elm Street zumindest für diese Zielgruppe nicht ganz ohne Wert sein mag. So sind, wenn auch sehr schulbuchmäßig, inszenatorische Grundlagen vorhanden, so daß der Film Zuschauern, die diesen noch nicht als reinen Neuaufguß wahrnehmen, eine wertvolle Einführung geben und damit zumindest einen Zweck als »Peter und der Wolf« für 16- bis 20jährige junge Horrorfreunde erfüllen mag.
2010-05-19 14:26