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Iron Man 2

USA 2010. R: Jon Favreau. B: Justin Theroux. K: Matthew J. Libatique. S: Dan Lebental, Richard Pearson. P: Marvel Entertainment. D: Robert Downey Jr., Gwyneth Paltrow, Don Cheadle, Scarlett Johansson, Sam Rockwell, Mickey Rourke, Samuel L. Jackson, John Slattery u.a.
125 Min. Concorde ab 6.5.10

Stark – nachgelassen

Von Sascha Ormanns In Iron Man wird gegen Ende, für das Superhelden-Genre ungewöhnlich, ein fundamentales Geheimnis offenbart: Tony Stark bekennt sich öffentlich zu seinem Alter Ego Iron Man und nimmt damit sowohl innerhalb des Films als auch auf der rezipierenden Ebene Einfluß auf die Wahrnehmung seiner Person. Dem Publikum fehlt somit der Effekt, es besser als die Filmfiguren zu wissen, also als einer unter wenigen die wahre Identität des Superhelden zu kennen; der Zuschauer nähert sich so nicht nur in der Betrachtung den Filmfiguren an, sondern auch in ihrem Verständnis dem Helden gegenüber. Für Iron Man 2 bedeutet dies zusätzlich, daß von den zwei Hauptfiguren des Vorgängerfilms nur eine einzelne bleibt – Tony Stark und Iron Man verschmelzen gewissermaßen miteinander. Fortan kann das Handeln des einen immer auch dem anderen zugeordnet werden: Sich hinter einer Maske zu verstecken, wie in anderen Beiträgen dieses Genres üblich, verwehrt sich Tony Stark selbst. Durchaus hätte dies für den Protagonisten problematisch werden können, müßte er doch jetzt eigentlich in seiner Handlungsfreiheit als Iron Man eingeschränkt sein: Da der Staat doch die zumindest theoretische Möglichkeit besitzt, ebenso wie sämtliche Figuren des Films, eine konkrete Person für ihr Verhalten in die Verantwortung zu nehmen. Und durchaus finden sich solche Versuche in Iron Man 2, wieso diese allerdings einer gewissen Ohnmacht unterliegen, veranschaulicht eine Szene aus Christopher Nolans The Dark Knight sehr schön: Ein Angestellter Bruce Waynes findet die wahre Identität seines Vorgesetzten heraus und versucht daraufhin Profit aus diesem Wissen zu schlagen, in dem er seine Entdeckung dem Leiter von WayneCorp mitteilt, der ihm daraufhin nur sinngemäß entgegnet: »Sie wollen wirklich den mächtigsten Mann der USA erpressen?« – ein verschmitztes Lächeln innerhalb einer kurzen stilistischen Pause – und dann weiter: »Viel Glück«. Nicht nur innerhalb der Filmrealität sind die moralischen Implikationen dieser Situation beängstigend.

Iron Man ist in seinem Kosmos sogar noch mächtiger, er hat – wie er selbst arrogant bemerkt – »den Weltfrieden erfolgreich privatisiert«. Und hier ist von signifikanter Bedeutung, was für ein Mensch hinter der Maske steckt, vielmehr noch, wie die Figur angelegt und inszeniert wurde. Regisseur Jon Favreau und Drehbuchautor Justin Theroux stellen Tony Stark als altruistischen, wenn auch eigenwilligen Messias dar, der ob seiner kapitalistischen Macht nur zum Wohle der Menschheit handelt. Was zweifellos unrealistisch aber dem Genre geschuldet ist. Spannender die Frage, mit welchen Mitteln hier der Frieden etabliert und aufrechterhalten wird. In einer immer technisierteren Welt scheint das Bild vom blinden Vertrauen in diesen Fortschritt, ein realistisches zu sein. Doch leider überlagert die Action, die diesen transportiert, in Iron Man 2 die weitaus interessanteren Szenen, in denen es möglich gewesen wäre, die Figuren genauer zu charakterisieren – die Filmemacher lassen vor allem die ausgewogene Figurenzeichnung des ersten Teils vermissen. Wie so häufig in Fortsetzungen, wollen die Macher auch hier einfach zu viel: Iron Man 2 beinhaltet so viele beiläufig erzählte Nebenhandlungen, daß der Zuschauer diesen schlicht nicht mehr zu folgen in der Lage ist. Warum sie sich so manches nicht für einen dritten Teil, der wohl schon in Planung ist, aufgehoben, oder eine längere Laufzeit für den Film gewählt haben, wird vermutlich das Geheimnis der Filmemacher bleiben. So jedenfalls ist vor allem schade, daß der Antagonist schlicht nicht funktioniert: Zwar macht Mickey Rourke seine Sache durchaus gut, verleiht seinem Charakter in den wenigen Szenen, die er dafür erhält, stets eine passend-comichafte Bösartigkeit, doch fehlt ihm einfach der nötige Raum, seine Figur in Gänze zu entfalten. Und daß ein Held immer nur so gut wie sein Gegenspieler sein kann, ist nicht nur innerhalb des Superheldenfilms landläufig bekannt.

Ebenso dem Genre geschuldet ist freilich, daß von Beginn an offensichtlich ist, wer am Ende als Sieger hervorgehen wird; allerdings waren Kampfszenen dramaturgisch selten so fad wie in Iron Man 2, da hilft auch die überbordenste Materialschlacht wenig, wenn sie nichts weiter zu bieten hat als bombastische Schauwerte, die leider bisweilen wirken wie PR-Maßnahmen der US-Armee. Kulminierend schlägt da auch die Tatsache zu buche, daß Iron Man 2 der Comicvorlage wohl weitaus genauer folgt als sein Vorgänger, und somit das Motiv des Kalten Kriegs wieder aufwärmt, welches hier allerdings anachronistisch anmutet und deshalb nicht so recht funktionieren mag. Zwar wird der Genrefan sich hier keineswegs langweilen, wäre er jedoch besser beraten, sich den auch derzeit im Kino laufenden Kick-Ass anzuschauen, der einen weitaus interessanteren sowie humorvolleren und ausgereifteren Vertreter des Superheldenfilms darstellt. 2010-05-06 16:24

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