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The Messenger

USA 2009. R,B: Oren Moverman. B: Alessandro Camon. K: Bobby Bukowski. S: Alexander Hall. M: Nathan Larson. P: Reason Pictures, The Mark Gordon Company. D: Ben Foster, Woody Harrelson, Jena Malone, Eamonn Walker, Yaya DaCosta, Portia, Lisa Yoyce, Steve Buscemi u.a.
105 Min. Senator ab 3.6.10

Nachrichtensprecher

Von Cornelis Hähnel Daß ein Krieg auch jenseits der Fronten ausgetragen wird, ist ein ebenso anerkannter wie logischer Fakt. So zieht sich auch mit jedem Raketeneinschlag, der als abstraktes grünes Leuchten über die heimischen Bildschirme flimmert, der Schützengraben in schmerzhafter Weise bis vor die Haustür der sich in Sicherheit wiegenden, meist westlichen Bevölkerung.

Sergeant Will Montgomery gibt dem Leid vor der eigenen Tür ein Gesicht, er verbalisiert die abstrakten Bilder des Krieges zu einem unwiderruflichen Fakt. Montgomery ist Teil des »Casualty Notification Team« und muß die Angehörigen von gefallenen Soldaten über deren Tod informieren. Er selbst wurde damals bei einem Angriff im Irak fast getötet und muß nun nicht nur die erschütternden Reaktionen emotional abwehren, sondern sich zugleich seiner eigenen Vergangenheit stellen.

Oren Moverman verlagert in seinem Debütfilm The Messenger die Realität des Krieges in den Alltag der amerikanischen Suburbs. Doch der Versuch, durch die repetitiven Todesnachrichtübermittlungen die Härte der Situation zu manifestieren, funktioniert nicht. Der emotionale Zusammenbruch, der den offensichtlich unterdrückten Emotionen (manifestiert in den sonoren bürokratischen Stimmen der Todesboten) gegenübergestellt wird, verliert im Laufe des Films an Intensität. Moverman präsentiert zwar keine Schlachtfelder oder zerstörte Städte und verwundete Zivilisten, dafür aber das Zerbrechen einzelner Personen und ganzer Familien und das damit einhergehende Aufreißen psychischer Wunden – den sprichwörtlichen Stich ins Herz. Im Verlauf des Films entwickelt das einen verstärkt sensationslüstern anmutenden Voyeurismus. Dadurch werden leider auch die Szenen, in denen bei Montgomery die Unfähigkeit einer zielgerichteten Kanalisation seiner Gefühle sowie der oktroyierte und tief verinnerlichte militärische Gehorsam erkennbar ist, in ihrer anprangernden und kritischen Intention relativiert. Somit ist The Messenger zwar der erkennbare Versuch, die letzten militärischen Angriffe der USA zurück in Amerikas Bewußtsein zu rufen, doch schießt er letztlich über das Ziel hinaus. 2010-05-27 17:53

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #58.

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