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Survival of the Dead

USA/CDN 2009. R,B: George A. Romero. K: Adam Swica. S: Michael Doherty. M: Robert Carli. P: Devonshire Productions. D: Kathleen Munroe, Kenneth Welsh, Athena Karkanis, Alan van Sprang, Julian Richings, Joris Jarsky, Wayne Robson, Devon Bostick u.a.
90 Min. Splendid ab 6.5.10

Death of the Dead

Von Dietrich Brüggemann Unsere Kultur ist, verglichen mit der vergangener Jahrhunderte, extrem beschleunigt. Die Stile ändern sich nicht mehr in Menschenaltern, sondern alle paar Jahre. Das gilt besonders für die Populärkultur: Der Hype von vor zwanzig Jahren wirkt auf die Jugend von heute nur noch bizarr. Das ist soweit altbekannt, aber eine weitere Konsequenz aus dieser Beschleunigung wird nur selten beklagt. Alte Meister können es nämlich heutzutage hinkriegen, bereits zu Lebzeiten ihre Bilanz total zu versauen. Die Karawane zieht weiter, man verliert den Anschluß und macht nur noch Quatsch. In einem derart flüchtigen Kontext ist es anscheinend oft nicht möglich, sich so zu verankern, daß die Relevanz der eigenen Arbeit bis ins Alter anhält.

George A. Romero, Meister eines ganzen Genres, macht es uns hier leider idealtypisch vor. Sein Night of the Living Dead war 1968 ein unerwarteter Knalleffekt. Die Toten kamen als menschenfressende Zombies zurück auf die Erde, das war neu und aufregend und konnte als Metapher für alles mögliche stehen. Zehn Jahre später dann Dawn of the Dead, die letzten Menschen verschanzen sich in einem Einkaufszentrum, Konsumkritik mit Zombies, ein weltweiter Erfolg. Für Romero wurde es dennoch nicht leichter, seine Filme finanziert zu bekommen, Day of the Dead von 1985 war wieder ein Low-Budget-Film, der irgendwie unterging.

Dann, seit der Jahrtausendwende, erwachten die Untoten auf einmal zu unerwartet neuem Leben. Eine Generation, die mit Romeros Werken aufgewachsen war, huldigte ihrem Meister mit Filmen wie 28 Days Later oder dem ausgesprochen gelungenen Remake von Dawn of the Dead. Und anscheinend ist es für ihn seitdem deutlich einfacher geworden, seine Filme zu machen. 2005 kam Land of the Dead, 2007 Diary of the Dead und jetzt also Survival of the Dead.

Wenn man mal davon absieht, daß die bekannten Prämissen des Zombie-Genres ohnehin recht weit hergeholt sind, dann liest sich die Handlung trotzdem ziemlich hanebüchen. In einer Welt, in der die Zombies allgegenwärtig sind, ist ein versprengter Trupp Soldaten auf dem Weg von A nach B. Sie erschießen im Wald ein paar Leute und gabeln dabei einen Jungen auf, der ein iPhone besitzt. Darauf sehen sie eine Videobotschaft, in der ein älterer Herr den Zuschauer auffordert, eine kleine Insel irgendwo vor der Küste zu besuchen. Okay, denken sich die Soldaten, fahren wir mal da hin. Nach einigen Abenteuern landen sie auf der Insel, wo die Zombies allerdings auch schon wüten oder vielmehr angekettet in der Gegend herumstehen. Die Insel wird beherrscht von zwei verfeindeten Clans, angeführt von zwei zähen Patriarchen. Es herrscht grundlegende Uneinigkeit über das Vorgehen in der Zombiefrage: Der eine will sie alle erschießen, der andere will sie fangen und gesundpflegen. Der Hardliner ist tendenziell der coolere der beiden und hat eine gutaussehende Tochter, die leider im Lauf des Films auch zombifiziert wird und andererseits auch wieder nicht, weil wir nämlich in einem überraschenden Wendepunkt erfahren, daß es in Wahrheit Zwillinge sind. Eine Liebesgeschichte geht unglücklich aus, weil Zombies und Nichtzombies keine tragfähige Beziehung miteinander führen können, und dann ist Showdown mit vielen Zombies.

Das größte Problem ist dabei nicht, daß der Film wie ein mißratener Western aussieht. Es ist fatal für einen Horrorfilm: Man hat an keiner Stelle Angst. Romeros gemächlich torkelnde Untote wirken inzwischen nur noch wie etwas seltsame, aber eigentlich harmlose Tanten und Onkels, die man einmal jährlich beim Familientreffen sieht. Furchterregend wäre, genau wie bei den Tanten und Onkels, ihr massenweises Auftreten, aber das hat man diesmal weggelassen. Das sonstige, also menschliche Personal ist wie immer zweitrangig, benimmt sich so doof, gibt sich so obercool und ist so trashig, daß ich den Zombies guten Appetit wünsche. Klar gibt es allerhand Gemetzel, aber Gemetzel ohne Emotionen erweist sich auch hier mal wieder als erstaunlich langweilig. Kann sein, daß Romero auf seine alten Tage einfach die Seiten gewechselt hat und jetzt Filme für Zombies macht. Für Menschen ist jedenfalls nicht viel zu holen. 2010-05-03 11:51

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