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Federicos Kirschen

Cenizas del cielo. E 2008. R,B: José Antonio Quirós. B: Dionisio Pérez. K: Álvaro Gutiérrez. S: Fernando Pardo. M: Ramón Prada. P: Bausan Films, El Nacedón Films. D: Celso Bugallo, Gary Piquer, Clara Segura, Beatriz Rico, Eduardo Antuña, Txema Blasco u.a.
95 Min. W-film ab 6.5.10

Der alte Mann und das Kraftwerk

Von Gerrit Booms Wegen einer Wagenpanne landet ein Fremder für einige Zeit in einem kleinen Dorf, dessen Menschen und Sitten ihm zunächst etwas merkwürdig erscheinen. Während es einige Beispiele gibt, in denen diesem Fremden dann Schreckliches widerfährt, ergeht es ihm in Federicos Kirschen ganz anders. Gleich zu Beginn wird er jedoch von zwei eher unappetitlichen Anblicken überfallen, die die Gegensätze dieser Umweltkomödie einführen: ein lautes graues Kraftwerk und eine kalbende Kuh. Zu deren Füßen streikt das Wohnmobil des schottischen Autors Pol Ferguson. Man könne sich schlichtweg von der Liebenswürdigkeit und Gastfreundschaft gefangennehmen lassen, schreibt Ferguson irgendwann. Und genau das betreibt er eifrig, bis er neben der Dorfschönheit auch noch die Apfelbäume umarmt. Überdies wird ihm schnell klar, daß das Dorf viele Hoffnungen mit dem Kyoto-Protokoll und der Abschaltung des Kohlekraftwerks verknüpft hat – und für Federico mehr als nur die Kirschernte davon abhängt.

José Antonio Quirós liefert mit Federicos Kirschen einerseits eine beschwingte Abhandlung über ein bedrückendes Thema, obendrein folgt er seinem Protagonisten in der Darstellung liebenswerter Menschen in einem heimeligen Landstrich. Die lebensnahen Charaktere taugen in ihrer leichten Verschrobenheit bestens für eine dramatische Handlung. Selten hat man die Fäden so vieler verschiedener Figuren so bereitwillig verfolgt. Unfruchtbarkeit, Demenz, Familientragödien – hier hat jeder sein Päckchen zu tragen. Allen voran: der eher mißtrauische, manchmal etwas störrische, aber sehr clevere und leidenschaftliche Federico. Der alte Mann hat seine Frau und seine Kühe an das Kraftwerk verloren und sich nun ganz dem Kampf gegen den unheimlichen Rauch verschrieben.

Eine sensible Kameraführung und ein grandioser Schnitt lassen zwischen den Menschen außerdem genügend Raum für das Lebensgefühl des Baskenlandes und die Natur an einem so widersprüchlichen Ort. Und so füllt Federicos Kirschen das gute alte Motiv des einkehrenden Fremden mit neuen Bildern, Topoi und einer wirklich sehenswerten Geschichte. 2010-04-29 12:02

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Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #58.
© 2012, Schnitt Online

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