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Cop Out – Geladen und Entsichert

Cop Out. USA 2009. R,S: Kevin Smith. B: Mark Cullen, Robb Cullen. K: David Klein. M: Harold Faltermeyer. P: Marc Platt Productions, Warner Brothers. D: Bruce Willis, Tracy Morgan, Juan Carlos Hernandez, Cory Fernandez, Adam Brody, Kevin Pollak, Guillermo Diaz, Seann William Scott u.a.
107 Min. Warner ab 15.4.10

Mr. Smith geht nach Buddyngton

Von Nils Bothmann Anno 1994 landete ein bis dato unbekannter Regisseur namens Kevin Smith mit der No Budget-Produktion Clerks einen Überraschungshit mit coolen Rumhängertypen, derben Dialogen und Liebeswirrungen der amüsanten Art. In den folgenden Filmen Smiths ging es dann (mit gewissen Akzentveränderungen) um coole Rumhängertypen, derbe Dialoge und Liebeswirrungen der amüsanten Art, woraufhin die Frage aufkam, ob Smith mehr könne als diese Art von Film. Selbst die Religionsfarce Dogma experimentierte wenig mit der bekannten Formel, erst 2004 sollte Smith mit Jersey Girl einen überraschend nachdenklichen Komödienplot mit seiner Art Dialogwitz kombinieren und erste Schritte zur Weiterentwicklung zeigen. Mäßige Einspielergebnisse waren der Lohn, was Smith zum Anlaß nahm mit Clerks 2 und Zack & Miri Make a Porno im eigenen Saft zu schmoren, wenn auch auf vergnügliche Weise.

Mit Cop Out verfilmt Smith nun zum ersten Mal ein nicht selbstgeschriebenes Drehbuch, bleibt der Komödie treu, versucht sich aber an einem neuen Subgenre: Dem Buddy Movie im Bereich Polizeifilm. Immer wieder findet man die Story von zwei ungleichen Partnern in der Geschichte des Kinos, doch seit den 1980er Jahren sind Buddy Movies vornehmlich Actionkomödien um Cops; zu den kassenträchtigsten Vertretern des Subgenres gehören Walter Hills Nur 48 Stunden und sein Sequel, Michael Bays Bad Boys-Filme und natürlich Richard Donners Lethal Weapon-Reihe. Diese oft schon selbstironisch angelegte Art von Film noch weiter komödiantisch zu überhöhen, ist eine Aufgabe für sich, waren über die Jahre hinweg doch bereits so exotische Partnerkombinationen wie Russe und Amerikaner (Red Heat), Erdling und Alien (The Hidden) oder Mensch und Zombie (Dead Heat) zu sehen.

Mit seiner Paarung von ruhigem weißen und aufgedrehtem schwarzen Bullen setzt Cop Out auf wenig innovative Kontraste, sondern betritt klassisches Cop-Terrain und schwankt zudem zwischen Parodie auf und Hommage an die klassischen Buddy Movies, ohne sich so recht zu entscheiden, was er denn nun sein will. Auch die Smithschen Referenzen an die Popkultur funktionieren weit weniger gut als in Dogma oder Mall Rats, z.B. wenn Tracy Morgan während einer Verhörszene zu Beginn ein wahres Dauerfeuer von Filmzitaten abschießt, von In der Hitze der Nacht über Der weiße Hai bis hin zu Training Day, was nach einer Weile ermüdet und nicht mehr witzig ist. Der beste Gag dieses Zitatstakkatos ist noch die Tatsache, daß Morgans von Bruce Willis gespielter Partner den Stirb langsam-Wahlspruch »Yippiayeh Schweinebacke« mit »Hab ich nie gesehen« kommentiert.

Willis, der schon in Werken wie Last Boy Scout, 16 Blocks und Stirb langsam 4.0 mit ungleichen Partnern kooperierte, kaspert nicht herum und wirkt gerade dadurch witzig, daß er seine Paraderolle als Cop mit coolen Sprüchen spielt, während das Geschehen um ihn herum komödiantisch absurd ist. Für dieses Unterfangen hat Smith eine entsprechende Besetzung zusammengetrommelt: Tracy Morgan variiert seine durchgedrehte Rolle aus der TV-Serie 30 Rock, Seann William Scott zieht als Schlitzohr wie in American Pie und Vorbilder?! vom Leder und mit reichlich Sidekick-Erfahrung dürfen Kevin Pollak (End of Days, Die üblichen Verdächtigen) und Adam Brody (O.C. California, Mr. and Mrs. Smith) Feuerschutz geben. Und mit Jason Lee schaut dann noch ein langjähriger Weggefährte Kevin Smiths vorbei.

Doch so großartig ein derartiger Castingcoup auf dem Papier auch aussieht: Homogenität bringt er nicht in den Gaghagel aus Treffern, Blindgängern und Querschlägern, dessen Geschichte völlig egal ist. Die Cops jagen einer geklauten Baseballkarte hinterher und bringen dabei einen bösen Gangsterboß zu Fall, der mit Drogen dealt… und mexikanische Kriminelle über Kanada in die USA bringt… irgendsowas. Der ist eben böse. Details interessieren keinen, am wenigsten den Film. Und das ist schade, denn so verkommt Cop Out zu einer Anhäufung mal mehr, mal weniger witziger Episoden, die von allen Beteiligten durchaus mit Inbrunst gespielt werden, aber das Endergebnis bleibt wenig denkwürdig. An dieser Stelle sei aber auf jeden Fall zur Originalfassung geraten, denn die deutsche Synchro ist zwar nicht derart mies wie die von Zack & Miri Make a Porno, killt aber trotzdem einige Gags.

Immerhin: Auch auf ungewohntem Terrain inszeniert Smith mit Freude, läßt die Regiearbeit nie zum Routineeinsatz verkommen und verpaßt seinem Baby jenen Copfilmlook, der die Nähe zu den großen Vorbildern ausdrücken soll. Doch Cop Out bleibt ein Paradoxon: Die Zutaten stimmen an sich, doch der Film ist nicht mehr als solides Mittelmaß, Kevin Smith entwickelt sich durchaus weiter und liefert dennoch seinen bisher schwächsten Film ab. 2010-04-13 11:39

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