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From Paris with Love

F 2010. R: Pierre Morel. B: Adi Hasak. K: Michel Abramowicz. S: Frédérick Thoraval. M: David Buckley. P: Europa Corp., M6 Films, Grive. D: John Travolta, Jonathan Rhys Meyers, Kasia Smutniak, Richard Durden, Ying Bing, Amber Rose Revah, Eric Gordon, François Bredon u.a.
93 Min. Universum ab 25.3.10

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Von Gerrit Booms Er steckt voller Anspielungen, Zitate und Liebeserklärungen – und ist obendrein eine Hommage an Frankreichs Hauptstadt. From Paris With Love muß allen Beteiligten sehr viel Spaß gemacht haben. Allen voran John Travolta. Er darf seine Waffe Mrs. Jones nennen (Anspielung 2), markige Sprüche klopfen und – diesmal tatsächlich nicht nur davon reden, sondern mehrfach – »Royal With Cheese« essen (Anspielung 3). Dieser glatzköpfige Charlie Wax ist eindeutig ein warmherziges Arschloch, das ein Schauspieler von Travoltas Kaliber gerne verkörpert. Wenn dann die Dreharbeiten auch noch ausschließlich in Paris stattfinden – immerhin die Stadt, in der ihn ein Scientology-Priester mit seiner, auch rechtlich, angetrauten Kelly Preston vermählte –, kann das ja nur zu Gutem gereichen.

Es sind exakt diese kleinen Momente, diese spürbaren Referenzen, die den Film sehenswert machen. Er ist ein Actionthriller mit Agenten – und will auch gar nichts anderes sein. Der junge ehrgeizige Geheimdienstler James Reese (Jonathan Rhys-Meyers) ist eigentlich ganz gut getarnt als Botschaftsassistent. Damit hat er nicht viel zu tun, immerhin aber genug, um sich geheimnisvoll vorzukommen. Als für einen neuen Fall aber eben jener ordinäre Wax (Travolta) dazu kommt, merkt er schnell, daß sein bisheriges Leben der reinste Streichelzoo war. Wax ist auf Krawall gebürstet und schießgeil. Schachspieler trifft Rowdie, Anfänger trifft Experten – und gemeinsam sind sie auf der Suche nach Terroristen. Während Reese seinem neuen Partner auf der Methoden-Leiter Stufe für Stufe folgt, fallen ihm etliche Leichen entgegen.

»Wax on, wax off.« Unter diesem Motto hat bekanntermaßen schon das Karate Kid (Anspielung 4) kämpfen gelernt, wenngleich es dabei auch um Selbstbeherrschung ging. Bei der Entwicklung des Möchtegern-Agenten gilt letzteres nicht. »Nicht denken, sondern tun, was Wax sagt« ist sein Auftrag. Also vergisst er Stück für Stück seine Skrupel, auf daß die beiden zu einem perfekten Team werden können. Eins, das auch private Enttäuschungen auszumerzen weiß.

From Paris With Love (nebenbei ist das natürlich schon Anspielung 1) ist so, wie eine gute Ausgabe dieses Genres sein muß: schnell und kurzweilig, mit plötzlichen aber glaubhaften Wendungen und (fast ausschließlich) realistischen Actionelementen. Obendrein könnte er den Fundus an kernigen Filmsprüchen um einige Exemplare aufstocken. Wax’ Sprüche und Eigenheiten bringen immer wieder die nötige Lockerheit in eine rasante Agentengeschichte, die zusätzlich vom perfekten Zusammenspiel ihrer Hauptdarsteller profitiert.

Luc Besson dürfte all das im Blick gehabt haben, als er sich die Geschichte ausdachte. Sicherlich hat er auch die Bondsche Filmdevise, immer eine vollkommen neue Verfolgungsjagd zu zeigen, im Kopf gehabt. Oder hat sich je jemand mitsamt Panzerfaust bei voller Fahrt aus einem Autofenster gelehnt, um dann einen Anruf entgegen zu nehmen? Wohl kaum. Besson jedenfalls hat sich, zur Dokumentation der guten Stimmung, auch einen kurzen Cameo-Auftritt nicht entgehen lassen, übrigens ebenso wenig wie die schon erwähnte Kelly Preston (die Situation ist dann Anspielung 5). Wer mag, kann die beiden also ebenso vergnügt suchen, wie viele weitere Referenzen, die sich etwas weniger offensichtlich zeigen. Manchmal macht so was ja auch Spaß. Gleiches gilt auch als Fazit für diesen Film: Wer Lust auf vor Filmliebe strotzende Zerstreuung hat, sollte ihn guten Gewissens gucken. Oder um es mit Wax’ Worten zu sagen: »Why the hell not?« (Anspielung 6). 2010-03-24 12:34

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