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Waffenstillstand

D 2009. R,B,S: Lancelot von Naso. B: Kai-Uwe Hasenheit, Collin McMahon. K: Felix Cramer. S: Vincent Assmann, Kilian von Keyserlingk. M: Jonas Bühler, Oliver Thiede. P: DRIFE. D: Matthias Habich, Thekla Reuten, Hannes Jaenicke, Max von Pufendorf, Husam Chadat, Peter Gantzler, David Michael Williamson, Harvey Friedman u.a.
102 Min. 3L ab 1.4.10

Waffen stehen niemals still

Von Gerrit Booms Im April 2004 wollen die Leiterin einer Hilfsorganisation und ein Arzt einen 24-stündigen Waffenstillstand zwischen den amerikanischen Truppen und irakischen Rebellen nutzen, um dringend benötigte medizinische Hilfsgüter ins belagerte und umkämpfte Falludscha zu bringen. Als Schutzschild nehmen sie den jungen Fernsehjournalisten Oliver mit, der die Zweifel seines Kameramanns Ralf ignoriert und auf die große Geschichte hofft. Schon auf den ersten Metern wird ihnen bewußt gemacht, daß sie von den Amerikanern keine Unterstützung zu erhoffen haben. Ihnen bleiben also nur ein paar Stunden, um in die Stadt und wieder raus zu kommen.

Waffenstillstand behauptet von sich, der erste deutsche Kinofilm zum Irakkrieg zu sein. Dabei geht es hier weniger um den Krieg zwischen zwei Parteien, als vielmehr um all diejenigen, die zwischen diesen Linien festsitzen und von der Öffentlichkeit viel zu schnell vergessen werden.
Humanitäre Helfer und Kriegsberichterstatter riskieren, getrieben von ihren Werten, Hoffnungen oder Ambitionen, teilweise alles. Darauf aufmerksam zu machen, hat sich der mehrfach preisgekrönte Film auf die Fahne geschrieben.

Spielfilm-Debütant Lancelot von Naso wählt dafür eine kammerspielartige Situation und läßt seine Protagonisten die meiste Zeit in einem Auto verbringen. Während einerseits die ständige Bedrohung eines plötzlichen Angriffs über dem Gespann schwelt, sind sie andererseits gezwungen, sich mit ihren unterschiedlichen Ansichten aneinander zu reiben. Nur wenn die dadurch entstehende Hitze zu groß wird und einer von ihnen vom Kurs abzukommen scheint, halten alle fest zusammen. Und teilen bald eine unterschwellige Skepsis gegen alles, das sich außerhalb ihres Kleintransporters befindet.

Genau darin liegt die große Stärke von Waffenstillstand. Er versucht gar nicht erst das allzu komplexe Geflecht der Zustände im Irak darzustellen, sondern zeichnet stattdessen klare Figuren, die sich durch diese Zustände quälen. Ihre Entscheidungen treiben den Film genau so voran, wie es de facto der Wagen in der Wüste tut. So kommen starke emotionale Momente zustande, die eine universelle Geschichte erzählen und einen intimen, selten gezeigten Blick auf Menschen in Krisenregionen werfen. Ständig drückt die Frage: Wer und was von ihnen bleibt übrig? »Nachrichtensendungen zeigen meistens die Toten, ein Spielfilm kann die Menschen zeigen, die übrig bleiben«, sagt der Regisseur und hat diese Linie konsequent verfolgt. 2010-03-29 13:16

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