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Green Zone

USA 2010. R: Paul Greengrass. B: Brian Helgeland. K: Barry Ackroyd. S: Christopher Rouse. M: John Powell. P: Working Title Films. D: Matt Damon, Greg Kinnear, Brendan Gleeson, Amy Ryan, Khalid Abdalla, Jason Isaacs, Antoni Corone, Sean Huze u.a.
115 Min. Universal ab 18.3.10

Differente Wirklichkeiten

Von Sascha Ormanns Die Handlung von Green Zone trägt sich am Wendepunkt des Dritten Golfkriegs zu, dann nämlich, als der offizielle Krieg gegen Sadam Hussein für beendet erklärt wurde und überging in einen noch immer andauernden, weitaus verheerenderen Bürgerkrieg. Intradiegetisch erfolgt diese Zeiteinordnung durch das erneute Ausstrahlen der berüchtigten »Mission Accomplished«-Rede George W. Bushs. Die Koalition der Willigen jubelt. Das Wissen darum, daß außerfilmisch kein Anlass dazu besteht, hat das Publikum den Filmfiguren voraus. Ein Vermischen dieser beiden Realitäten evoziert der Film zwar durchaus, findet tatsächlich allerdings nur in den Köpfen der Zuschauer statt, offenbart aber umso mehr die Absurdität dieses amoralischen Hochgefühls.

Es liegt überhaupt an der Verwischung der Grenzen von Realität und Wirklichkeit, daß Green Zone so hervorragend funktioniert. Paul Greengrass versteht es bravourös, sowohl auf wahren Begebenheiten beruhende und politisch beeinflusste (Bloody Sunday, Flug 93) als auch rein fiktionale, actiongeladene Geschichten (Die Bourne Verschwörung, Das Bourne Ultimatum) zu erzählen. Ihnen allen gemein ist die für Greengrass typische pseudodokumentarische Inszenierung, die je nach Intention und Film, eine andere Wirkung zu entfalten vermag. Gelang es mit der nah am Geschehen agierenden, rasanten Handkamera und den hektisch montierten Bildfetzen der Bourne-Filme, den Protagonisten als übermenschlich auszustellen, funktioniert dieses Prinzip bei Green Zone beinahe umgekehrt: Der Handlungsort wirkt nahezu surreal. Die Figuren bewegen sich durch gefährliche, nicht einordbare Schauplätze.

Oberflächlich betrachtet mag Green Zone zunächst einmal ein Politthriller sein, der eine Verschwörung um die nicht vorhandenen Massenvernichtungswaffen im Irak thematisiert –, der Titel impliziert jedoch schon das eigentlich raffinierte des Films: das Gegenüberstellen verschiedener Wirklichkeiten. Die »Green Zone« ist das Gebiet, das den Amerikanern im Irak als Militärstützpunkt diente, und das als sichere, eigene Welt im gefährlichen Kriegsgebiet fungierte. Wenn die Amerikaner in einer Szene beim Barbecue am Pool von Husseins ehemaligem Palast gezeigt werden, während außerhalb der sicheren Gebietsgrenzen anarchistische Zustände vorherrschen, dann ist das Abbilden dieser divergenten Umstände deshalb so wichtig, weil beim Zuschauer so ambivalente Emotionen erzeugt werden, die mit dem ohnehin schon vorhandenen Zweifel an der Richtigkeit dieses Krieges kulminieren.

In Green Zone spekuliert Greengrass durchaus, warum die USA unter George W. Bush 2003 einen erneuten Krieg im Irak begannen und betont vor allem die Tatsache, daß letztlich alles auf einer Lüge basierte. Und wenn er zum Beispiel im Schlußbild des Films die irakischen Ölraffinerien einfängt, ist dies natürlich eine wenig subtile Andeutung, die noch einmal abschließend die politischen Dimensionen und Fragezeichen ins Gedächtnis ruft. Paul Greengrass ist allerdings klug genug, nicht ausschließlich in Eindeutigkeiten zu verfallen. Und überhaupt ist ihm die Frage nach Art und Weise, und letztlich dem Sinn, Demokratie zu oktroyieren, viel wichtiger. 2010-03-19 15:05

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