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Verlobung auf Umwegen

Leap Year. USA/IRL 2010. R: Anand Tucker. B: Simon Beaufoy, Harry Elfont, Deborah Kaplan. K: Newton Thomas Sigel. S: Nick Moore. M: Randy Edelman. P: Birnbaum/Barber, BenderSpink, Octagon Films. D: Amy Adams, Matthew Goode, Adam Scott, John Lithgow, Jack Brady, Noel O'Donovan, Tony Rohr, Pat Laffan, Alan Devlin u.a.
100 Min. Kinowelt ab 9.9.10

Verliebt, verlobt, versenkt

Von Tamar Noort Manche Paare entwickeln auf der Leinwand eine seltsame Magie. Zwei Menschen reisen zusammen, sie streiten sich leidenschaftlich und zeigen damit ihrem Gegenüber die eigentliche Anziehung – ein bewährtes Rezept, perfektioniert zum Beispiel von Katherine Hepburn als Zicke mit Herz und Humphrey Bogart als raubeinigen Kapitän in African Queen. So ernst die Lage sein mag, in die das Paar hineinstolpert, sie dient immer in erster Linie dazu, die beiden Protagonisten näher zusammen zu treiben. Viele der alten Romantic Comedys sind so lustig, weil die Situationen, die die beiden zu meistern haben, zwar vollkommen absurd sind, für das Paar – oder für einen von beiden – aber eine gewisse Normalität darstellen.

Mit diesen Zutaten will Anand Tucker mit Verlobung auf Umwegen einen Iren mit einer Amerikanerin verkuppeln und schickt sie zusammen nach Dublin. Annas und Declans Reise führt sie durch die ländlichsten Gegenden Irlands – mehr Reibungspotential gibt es nicht. Die Amerikanerin poltert mit landesüblicher Naivität über die Insel und der Ire besticht allenfalls durch seinen Hundeblick. Es sind vermeintliche kulturelle Unterschiede, die die beiden zu meistern haben – was für ihn normal ist, ist für sie ein Alptraum. Aber lustig wird es nie. Was daran liegen mag, daß Annas Feuerproben sich immer im Rahmen braver Klischees über die grüne Insel bewegen. Zum Beispiel: Irische Bauern empfinden städtische junge Frauen als Eindringlinge. Irische Schafe stehen auf jeden Fall mitten auf der Straße. Sonntags fahren keine Züge. Wer nicht verheiratet ist, darf nicht in einer Pension übernachten. Zum Abendessen gibt es Innereien. Der Pastor betrinkt sich auf der Hochzeit.

In den Produktionsnotizen ist zu lesen, daß dieser Film in kürzester Zeit entstand. Von der ersten Idee bis zum Beginn der Dreharbeiten verging gerade mal ein Jahr. Ob es sich gelohnt hätte, über diesen Film länger nachzudenken? Vielleicht. Vielleicht wäre das Drehbuch noch ein bißchen gereift. Vielleicht wäre jemand mal nach Irland gefahren, hätte dort ein wenig Zeit verbracht und mit der Erkenntnis zurückgekehrt, daß das Land nicht nur aus bäuerlichen Dumpfbacken, verkorksten Barbesitzern und schönen Landschaften besteht.

Der Brite Matthew Goode, der Declan verkörpert, hat in einem Interview mit dem »Daily Telegraph« ziemlich unverblümt behauptet, er hätte diesen Film nur gedreht, weil er für die Dreharbeiten nicht zu weit weg wollte von seiner Freundin, mit der er eine kleine Tochter hat. Es sei ein Job gewesen, für den er bezahlt worden sei. So ist das Filmgeschäft. Von Magie keine Spur. 2010-09-03 11:16

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