Treffen sich drei Cops am Gemeinplatz…
Von Alexander Scholz
Wenn Polizisten mit dem Gesetz, das sie eigentlich hüten sollen, in Konflikt geraten, sagt das etwas über die Gesellschaft aus in der sie leben – sollte man meinen. Wenn dort, wo Polizisten nur sehr bedingten Einfluß haben, eigene Gesetze gelten, wäre es der Job der Polizisten diesen Umstand zu ändern – könnte man meinen. Bei den drei Cops, um die es in
Gesetz der Straße geht, liegt das Ganze anders aber deswegen nicht komplexer.
Die drei haben die verschiedensten Motive sich mit eben jenen Regeln zu arrangieren, die sie eigentlich zu bekämpfen angehalten sind. Der von Richard Gere verkörperte Eddie hat sich mit so ziemlich allem abgefunden, steht kurz vor der Pensionierung und findet seine tägliche Dosis Adrenalin im allmorgendlichen Russischen Roulette. Ethan Hawke ist Sal, der eigentlich tiefgläubig ist, aber für seine Familie dann doch mal gerne dies- und jenseitige Gesetze bricht. Tango schließlich hat noch die beste Ausrede für sein schizophrenes Handeln. Der von Don Cheadle verkörperte Undercover-Cop würde am liebsten ein geregeltes Leben führen, wird aber von seinen Vorgesetzten zum fortgeführten Versteckspiel gezwungen. Jeder hätte gerne die Sorgen des anderen und keiner hat das Potential, die angesprochene gesellschaftliche Relevanz für sich zu proklamieren. Das weiß auch Regisseur Antoine Fuqua und reiht alle drei in parallel verlaufenden Erzählsträngen handwerklich ansehnlich aneinander.
Schon in
Training Day hatte sich Fuqua an einem ähnlichen Sujet abgearbeitet und war schon damals an dem Anspruch gescheitert, Authentizität bieten zu wollen und dabei noch mächtig cool daherzukommen. Die Gangsterrapper der Westküste, die er seinerzeit als böse Buben durch Los Angeles wandeln lies, sind in
Gesetz der Straße nicht mehr dabei, hätten bei dem hochkarätigem Cast wahrscheinlich auch noch deplatzierter gewirkt als beim Vorgänger. Das Problem mit der Wahrhaftigkeit manifestiert sich im aktuellen Film aber durch eine ähnliche Herangehensweise. Fuqua kann sich offenbar nicht recht entscheiden, ob er eine Milieustudie drehen möchte oder doch lieber den einfachen Weg in Richtung Rapvideo-Sexismus und Schießerei-Romantik vorzieht. Die flache Anlage der Figuren, die die fähigen Schauspieler notdürftig kaschieren, lässt ernüchternde Rückschlüsse auf die Entscheidung Fuquas zu, scheitern diese doch vielmehr an der eigenen Eindimensionalität als an der Realität auf Brooklyns Straßen.
Ähnlich wie
L.A. Crash, das gerne als Studie über den Rassismus überschätzte Erstlingswerk von Paul Haggis, läuft
Gesetz der Straße auf eine problemlos und als eindeutig dechiffrierbare Botschaft hinaus. Eine weitere Parallele ist, daß hier für komplexe Sachverhalte einfache Lösungen präsentiert werden. Im Hinblick darauf, kann man froh sein, das bei Fuqua der Anspruch auf die realistische Portraitierung von prekären Lebenssituationen durch deren einseitige Ästhetisierung unterlaufen wird: Wo die Misere Goldkette und die Emanzipation String trägt, ist die Mileustudie so fern, wie der Gemeinplatz nah.
2010-03-26 11:10