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Auftrag Rache

Edge of Darkness. USA 2010. R: Martin Campbell. B: William Monahan, Andrew Bovell. K: Phil Meheux. S: Stuart Baird. M: Howard Shore. P: GK Films, BBC Films, Icon Productions. D: Mel Gibson, Ray Winstone, Danny Huston, Bojana Novakovic, Shawn Roberts, David Aaron Baker, Jay O. Sanders, Denis O'Hare u.a.
117 Min. Wild Bunch ab 11.3.10

Dramaturgie-Absurditäten

Von Sascha Ormanns Homer Simpson wäre von Auftrag Rache vermutlich begeistert, war er es doch, der Mel Gibson bereits in der Folge Mit Mel Gibson in Hollywood zu einem Film verhalf, vielmehr einem Filmende, das von sinnloser Gewalt, hanebüchener Schlussfolgerungen und dramaturgisch fragwürdiger Entscheidungen nur so strotzte. Homer ebenso wie Mel Gibsons Simpsons-Ebenbild waren mit ihrem Werk zwar vollends zufrieden, von den Bewohnern Springfields (dem Publikum) allerdings, handelten sie sich nur Häme ein.

Gerade aufgrund seiner Reflexivität ist dies bei den Simpsons selbstredend unterhaltsam, und auch im Spielfilm kann ein ähnliches Konzept Erfolg versprechen: Pierre Morels 96 Hours beispielsweise gelang es, trotz vorhandener Drehbuchlöcher, prächtig zu unterhalten, bleibt er doch von Beginn an konsequent einer Linie treu, übertreibt schlicht so maßlos, daß es irgendwie dann doch funktioniert und nimmt sich zum Glück selbst nicht allzu ernst. Mit Auftrag Rache kommt jetzt allerdings ein Film in die Kinos, und das Gefühl wird man einfach nicht los, bei dem sich die Filmemacher nicht so recht entscheiden konnten, ob sie nun einen ernsthaften Genrebeitrag, oder doch lieber hanebüchenen Actionklamauk produzieren wollten. Diese Diversität zieht sich leider durch den gesamten Film, gelingt es Martin Campbell in der Einführung noch, beiläufig zwar, dennnoch stimmig, das für Auftrag Rache so essentielle Verhältnis von Vater und Tochter zu vermitteln – nicht zuletzt Mel Gibsons Verdienst, der es in nur einer kurzen Szene bravourös vermag, eine familiäre Vertrautheit zu etablieren – wird diese harmonische Exposition noch in den ersten Filmminuten jäh zerstört. Wenn Bojana Novakovics Figur mit einem lauten Knall mittels Schrotflinte gen Jenseits befördert wird, nimmt dieser Schockmoment dem eigentlich dramatischen Verlust des Protagonisten den gesamten Raum: Die Inszenierung dieses Mordes ist schlicht absurd. Solche inszenatorischen Fragwürdigkeiten tauchen gleich in mehreren Szenen auf, immer wieder wird der zunächst gewählte Grundton ad absurdum geführt: Nie gelingt es den Filmemachern, ihre eigene Herangehensweise zu finden, noch eine adäquate Filmsprache zu entwickeln.

Auch rein thematisch hat Auftrag Rache leider ein Problem: Martin Campbell adaptiert für den Film die sechsteilige, britische Erfolgsserie Edge of Darkness aus den 1980er Jahren, bei der er auch schon Regie führte, hat dabei jedoch nicht berücksichtigt, daß die Angst vor atomarer Verseuchung, die 1985 zu Zeiten des Kalten Krieges noch brandaktuell war, zur heutigen Zeit eher anachronistisch anmutet. Daß Auftrag Rache letztlich doch nicht komplett enttäuscht, ist vorallem der schon erwähnten Leistung Mel Gibsons, aber auch der von Ray Winstone zu verdanken. Ihnen gelingt es, daß man bei Auftrag Rache zumindest zwischendurch mit dem Kopfschütteln pausieren kann. Man hätte Mel Gibson nach acht Jahren Abstinenz vom Hauptdarstellertum vielleicht ein schöneres und dramaturgisch stimmigeres Comeback gewünscht, doch kann er so zumindest positiv hervorstechen. Und das ist ja auch schon einmal was. 2010-03-11 19:32

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