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Unsere Ozeane

Océans. F 2009. R,B: Jacques Perrin, Jacques Cluzaud. B: François Sarano, Stéphane Durand, Laurent Debas. K: Luc Drion, Luciano Tovoli, Philippe Ros, Laurent Charbonnier, Christophe Pottier, Eric Börjesso, Laurent Fleutot, Thierry Thomas u.a. S: Vincent Schmitt, Catherine Mauchain. M: Bruno Coulais. P: Galatée Films, Pathé, France 2 Cinéma u.a.
97 Min. Universum ab 25.2.10

Seegewohnheit und Meerwert

Von Sven Lohmann Jacques Perrin ist ursprünglich Schauspieler und hat etwa in Cinema Paradiso, oder in Z und Der unsichtbare Aufstand von Costa-Gavras mitgespielt, die er auch mitproduziert hat. In den 1970ern wollte er mit Costa-Gavras einen Film über Umweltpolitik drehen, das Projekt wurde jedoch wieder verworfen. Später machte dann Perrin doch in Naturfilmen – auch ohne Costa-Gavras: Mit Mikrokosmos und Die Nomanden der Lüfte gelangte er zu internationaler Anerkennung. Im Anschluss an die britische Dokumentation Unsere Erde von 2007 vertreibt Disney nun Unsere Ozeane gewissermaßen als Fortsetzung – wiewohl die Macher völlig andere sind.

Zusammen mit Co-Regisseur Jacques Cluzaud arbeitete Perrin sieben Jahre lang an dem Projekt; vier Jahre davon dauerten die Dreharbeiten, die an über 50 Drehorten überall auf dem Globus stattfanden. Das Ergebnis ist ein Portrait der Weltmeere, das sich zwar ausdrücklich Engagement für Umweltschutz auf die Fahnen schreibt, in erster Linie aber die Lust am Visuellen bedient. Dabei zaubern die zahlreichen Kameraleute mitunter erstaunliche Bilder aus dem Hut, manche sind ein wenig gewollt artistisch, andere schlichtweg sehr eindrucksvoll; unterlegt ist das ganze ärgerlicherweise nicht nur mit etwas allzu pathetischer Musik, sondern auch noch mit überkandidelten Soundeffekten. Wenn ein Mantarochen über die Kamera hinweg zieht wie ein Raumschiff im Science-Fiction-Film und dabei auch die Tonspur entsprechend vernehmlich dröhnt, dann ist das ganz einfach nur albern.

Was denn ein Ozean eigentlich sei, fragt am Anfang des Films ein Kind ganz naiv, und diese Frage ist in der Tat ein guter Anfang, denn sie ist sehr vielversprechend - und wichtig, um ein ökologisches Sensorium zu schaffen. Unsere Ozeane beantwortet sie aber nur in einem sehr ungefähren Sinne, nämlich insofern, als er die schön abgefilmte Biodiversität der Meere relativ zusammenhanglos vorzeigt. Er verzichtet darauf, die Arbeit z.B. von Meeresforschern oder die des Filmteams erzählend zu erläutern, wie es etwa Die schweigende Welt von Malle und Cousteau tat (bis heute das Maß aller Dinge, was die Unterwasser-Doku angeht). Der Kommentar ist äußerst spärlich – das mag man in unheilvoller Erinnerung beispielsweise an "Die Erde von oben" noch begrüßen können; aber auch eine so gelungene Assoziationsmontage bekommt Unsere Ozeane nicht hin, daß er ohne Kommentar viel erklären könnte. Das bedeutet, daß – mal wieder, könnte man nölen, ähnlich wie auch bei Unsere Erde – die Auseinandersetzung mit ökologischen Inhalten im wesentlichen ein Lippenbekenntnis bleibt und der Film nur oberflächlich bzw. rein emotional das Problembewußtsein weckt, das er verspricht. 2010-02-23 16:17

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