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Invictus

USA 2009. R: Clint Eastwood. B: Anthony Peckman. K: Tom Stern. S: Joel Cox. M: Kyle Eastwood, Michael Stevens. P: Malpaso Productions, Revelation Entertainment. D: Matt Damon, Morgan Freeman, Scott Reeves, Langley Kirkwood, Robert Hobbs, Tony Kgoroge, Bonnie Henna, Grant Roberts.
133 Min. Warner ab 18.2.10

Politik zwischen den Spielzügen

Von Gerrit Booms Daß Sport als verbindendes Element zwischen zerstrittenen Menschen fungieren kann, ist gemeinhin bekannt; Sport zu einem bindenden Glied eines Filmes zu machen, ist aber deutlich schwieriger. Schon mancher gewiefte Filmemacher hat sich schwer damit getan, jetzt hat sich auch Großmeister Clint Eastwood an seinen eigenen Ambitionen verhoben. Denn diese simple Erkenntnis und das damit verbundene Fahnenschwenken sind eigentlich noch keinen Film wert. Clint Eastwood hat ihn trotzdem gedreht.

Invictus soll zeigen, wie Nelson Mandela die bevorstehende Rugby-WM in Südafrika für seinen Kurs der Versöhnung zwischen Schwarz und Weiß zu nutzen verstand. Die »spring bocks«, die Springböcke, bilden als Nationalmannschaft ein eindeutiges Symbol für die vergangene Apartheid und die wirtschaftlich immer noch sehr einflußreiche Minderheit der Weißen. Dieses Symbol umzukehren und zur Identifikationsfigur zu machen, wird Mandela als vorrangiges politisches Ziel des Jahres 1995 unterstellt. Dafür lässt er viel andere Arbeit liegen, stiehlt sich aus internationalen Konferenzen und lädt den Mannschaftskapitän zum Tee ein.

Erwartungsgemäß ist Invictus kein Sportfilm geworden (wenngleich es auch hier eine abschließende Schlacht voller Schweiß, Stöhnen und Schmerzen gibt, die obendrein die gefühlt längste Zeitlupe der Filmgeschichte enthält). Dafür geht Eastwood schließlich seit jeher viel zu sehr auf die Gesichter ein. Ein perfekt vorbereiteter Morgan Freeman schlüpft innerhalb weniger Sekunden derart überzeugend in die Rolle Mandelas, daß man dessen wahres Gesicht fast zu vergessen scheint. Spielend leicht vermittelt er den Geist der Versöhnung und Vergebung. Ob das aber ausreicht, um damit auch den Politiker Mandela darzustellen, bleibt zu hinterfragen. Schließlich war dieser nicht nur ein alter, anscheinend liebenswerter Mensch, sondern auch ein Präsident. Ein sichtlich aufgepumpter Matt Damon hingegen zeigt solche Politik, als permanent innerlich arbeitenden Konflikt, der sich hintenraus vermutlich ein wenig zu schnell und zu einfach auflöst.

Keine Frage, Clint Eastwood beherrscht sein Handwerk. Und so wäre es auch vermessen, diesen Film als langweilig zu diffamieren. Trotzdem hapert es an vielen Stellen, greifen er und sein Kameramann Tom Stern leider immer wieder tief in die Klischee-Kiste. Und irgendwie wird man das Gefühl nicht los, daß er seinem guten Freund Freeman einen ähnlich eindrucksvollen Abgang inszenieren wollte, wie er ihn sich selbst mit Gran Torino geschaffen hat – in dem er es im Übrigen deutlich eindrucksvoller geschafft hat, mit den Themen Rassismus, Engstirnigkeit und Aussöhnung umzugehen. 2010-02-11 15:45

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