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Percy Jackson – Diebe im Olymp

Percy Jackson & the Olympians: The Lightning Thief. USA 2010. R,B: Chris Columbus. B: Craig Titley. K: Stephen Goldblatt. S: Peter Honess. M: Christophe Beck. P: 1492 Pictures, Fox 2000 Pictures, Maverick Films. D: Logan Lerman, Brandon T. Jackson, Alexandra Daddario, Sean Bean, Pierce Brosnan, Steve Coogan, Rosario Dawson, Catherine Keener u.a.
118 Min. Fox ab 11.2.10

Potenzprobleme

Von Natália Wiedmann Zeus grollt: Man stahl seinen Blitz. Das Zeichen seiner Macht, lat. potentia – aber schon richtig, der Titel ist auch anders zu verstehen. Man braucht sich nur einen der Trailer anzuschauen, der die Rückgabe des Blitzes zeigt: Das Licht des Aufzugs zum Olymp schießt im Empire State Building empor und entlädt sich als Explosion, die Rückkehr der Macht als ultimative Ejakulation – an unfreiwilliger Komik mangelt es dem Film am wenigsten, das muß man ihm lassen!

Dazwischen rund zwei Stunden, in denen Halbgott Percy Jackson unter Beweis stellen muß, dass nicht er den Raub beging, zwei Stunden, während derer man nie so genau weiß, ob es dem Hauptdarsteller Logan Lerman an Talent fehlt oder er einem schlechten Script ausgeliefert ist, wie die antiken Heroen dem Schicksal. Die Heroen in ihrer Doppelnatur, deren Reise sich laut Elisabeth Schmitt auch als mythologische Schilderung männlicher Adoleszenz interpretieren lässt – man denke nur an Spiderman, den modernen Helden! Sehen wir denn was anderes als seine soziale und physische Pubertät in Verkleidung? Wie er plötzlich lernen muß, mit diesen neuen Kräften umzugehen, wie er sich in seinem Zimmer einschließt, um das Schießen weißer klebriger Spinnennetzfäden zu perfektionieren, wie er sich Identitätskonflikten stellt, lernt, Verantwortung zu übernehmen. Die stete Verbindung von Psyche und Physis könnte kaum in größerem Kontrast zu dieser emotionsbereinigten Voglerschen Odyssee um Planschbecken-Percy stehen, wo es zum Außen kein Innen mehr gibt und sich bewährte Genreformeln nur als müde Zitate finden.

Ob nun Trauer weggetätschelt wird, Eigenschaften sich lediglich als Behauptungen manifestieren, sich im Abspann die einzige Grauzone findet, Logikbrüche aber allerorten oder unausgeschöpft bleiben, daß die Figuren Teenager sind und sich in einer heterogen erzählten Welt befinden – des Films dramaturgische Unausgegorenheit tropft ihm aus den Poren. Ganz zu schweigen von der stockkonservativen Rehabilitation der Vaterfiguren, die den einzig nennenswerten Konflikt entschärft. So wird die ohnehin mäßig originelle, an Potters Zauberumhangszipfel hängende Vorlage eingedampft auf eine effektheischende Heldenreise mit der Tiefe einer Pfütze und der Sogkraft eines Bächleins, was den schalen Film zumindest zu einem macht: dem perfekten Knutschfilm. Für die zweifelsohne hervorragenden computergenerierten Bilder kann man die schöne Tätigkeit ja unterbrechen und sich von Schlangenkörpern und Wasserschlachten ein bisschen beeindrucken lassen. Oder inspirieren. 2010-02-08 12:22

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