Näher, mein Scotch, zu dir!
Von Werner Busch
Max Manus war einer der führenden Köpfe im bewaffneten Widerstand gegen die Besatzung Norwegens durch die Nazis. Zusammen mit einer Gruppe entschlossener Gleichgesinnter, bekannt als die Oslobande, war er für viele der spektakulärsten Sabotageakte verantwortlich. Der bis dato aufwendigste und teuerste norwegische Film trägt nun seinen Namen und erzählt von den Husarenstreichen seines Protagonisten. Es ist höchst erstaunlich, daß
Max Manus dabei inszenatorisch nicht nur hohe internationale Standards erfüllen kann, sondern sie vereinzelt sogar übertrifft. Lange und höchst komplizierte Sequenzen werden durch sehr gekonntes digitales Montieren möglich gemacht, und die Kameraarbeit erlaubt sich einige schöne, aber nie aufdringliche Kapriolen. Das große Budget schlägt sich angenehm sichtbar in sehr guten Effekten und ausstattungsintensiven Totalen nieder.
Historische Wirklichkeit wird hier zu unverkrampftem Genrekino.
Max Manus ist somit eng mit Paul Verhoevens
Black Book und Ole Christian Madsens
Tage des Zorns verbunden. Gegenüber diesen Filmen hat Max Manus seine »größere« und ausgefeiltere Inszenierung zum Vorteil. Der Vergleich zeigt aber auch auf, was dem Film der Regisseure Rønning und Sandberg abgeht: eine mehrdimensionale Figurenzeichnung. Manus wird störend einseitig als unerschrockener Draufgänger dargestellt, obwohl seine Geschichte auch notwendigen Anlaß zur Auseinandersetzung mit moralischen Grauzonen gibt. Denn immer häufiger führten Sabotageakte zu Racheaktionen der Nazis an der Zivilbevölkerung. Schon der Versuch eines Anschlages konnte zur Hinrichtung Unschuldiger führen. Allein schon deshalb ist die Zeichnung eines kantenlosen Heldenbildes unangebracht. Was bei Verhoeven und Madsen elementarer Bestandteil der Figurenzeichnung und der Handlungsführung ist, klammert
Max Manus fast völlig aus. Dennoch: ein durchweg unterhaltsamer und bemerkenswert inszenierter Film.
2010-02-04 13:00