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Gegen jeden Zweifel

Beyond a Reasonable Doubt. USA 2009. R,B,K: Peter Hyams. S: Jeff Gullo. M: David Shire. P: Foresight Unlimited, RKO Radio Pictures, Signature Pictures. D: Michael Douglas, Jesse Metcalfe, Amber Tamblyn, Orlando Jones, Joel Moore, Sewell Whitney, David Jensen, Tony Bentley u.a.
109 Min. Pa Co ab 4.2.10

Ein zweifelhaftes Vergnügen

Von Sven Lohmann Jenseits allen Zweifels heißt das Original von Fritz Lang aus dem Jahre 1956, und als wäre bloße Unanfechtbarkeit gestrig, liegen die Dinge nun ganz kämpferisch Gegen jeden Zweifel; dabei ist schon die Prämisse der Geschichte nicht ganz unzweifelhaft. Für einen großen Knüller begibt sich hier die Hauptfigur, der Journalist C.J. Nicholas, in die Mühlen der Justiz: Um dem verdächtig erfolgreichen Staatsanwalt Hunter Beweisfälschung nachzuweisen, lenkt er den Verdacht in einem ungeklärten Mordfall auf sich. Ein schwieriger Stoff, weil spekulativ und höchste Glaubwürdigkeit fordernd. Regisseur Peter Hyams ist ja nun eher bekannt für Phantastisches wie 2010 – Das Jahr, in dem wir Kontakt aufnahmen oder Das Relikt – und in der Tat wird man bei Gegen jeden Zweifel das Gefühl nicht los, daß er mit dem Stoff nicht so recht etwas anfangen kann.

Das unaufregend traditionelle Handwerk von Hyams mag man noch eher als nostalgisch empfinden können denn als ideenlos oder verschnarcht. Das eigentliche Ärgernis des Films ist aber das Drehbuch (auch von Hyams), in dem einfach nichts zusammenpaßt: Auch zugunsten eines ziemlich gewollten Twist-in-the-End ist schon allein Hauptcharakter Nicholas ein kaum nachvollziehbares Zwitterwesen. Einmal kommt er als unglaublich integrer und geradezu überragend scharfsinniger Journalist daher; dann wieder begeht er offen so unüberlegte Dummheiten, wie es vielleicht zum komischen Charakter eines kopflosen Aktionisten passen würde – aber nicht zum humorlosen Streberling, als der er eingeführt wird, dem durchtriebenen Saubermann, der mit grottenschlechten, larmoyanten Dokumentationen auch noch Preise gewinnt. Dementsprechend originell ist auch der fiese Staatsanwalt: Er ist es, der auch für den denkfaulsten Zuschauer offen ausspricht, daß die Beweise von Nicholas geradezu hanebüchen nichtssagend sind – Nicholas’ -Vertrauten läßt er trotzdem möglichst auffällig ermorden, als der mit den völlig nutzlosen Indizien zur Verhandlung unterwegs ist.

So und ähnlich geht das wenig Spektakuläre an diesem Film auf Kosten der Handlung und deren Glaubwürdigkeit; vielleicht -hätten satirische, augenzwinkernde Töne da noch etwas retten -können – der gravitätische Ernst aber, mit dem die Darsteller spielen, macht ihn endgültig lächerlich. Mag es erst recht überflüssig sein, von Fritz Langs Filmen uninspirierte Remakes zu drehen – Gegen jeden Zweifel ist auch als für sich stehende Leistung in jeder Hinsicht unterdurchschnittlich. 2010-02-02 13:24

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #57.

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