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New York, I Love You

F/USA 2008. R,B: Yvan Attal, Shunji Iwai, Joshua Marston, Natalie Portman, Fatih Akin, Brett Ratner, Andrej Swjaginzew. R: Allen Hughes, Shuji Iwai, Jiang Wen, Scarlett Johansson, Joshua Marston, Shekhar Kapur, Mira Nair, Randall Balsmeyer. B: Alexandra Cassavetes, Hu Hong, Yao Meng, Olivier Lécot, Suketu Mehta, Anthony Minghella, Jeff Nathanson, Stephen Winter u.a. K: Benoît Debie, Pawel Edelman, Adam Kimmel, Mikhail Kirchman, Michael McDonough, Andrij Parekh, Declan Quinn, Mauricio Rubinstein. S: Jacob Craycroft, Affonso Gonçalves, Mark Helfrich, Allyson C. Johnson, Craig McKay. M: Antonio Pinto. P: New York, I Love You, Ever So Close, Benaroya Pictures, Visitor Pictures u.a. D: Carlos Acosta, Eva Amurri, Kevin Bacon, Justin Bartha, Rachel Bilson, Orlando Bloom, James Caan, Richard Chang u.a.
110 Min. Concorde ab 28.1.10

Apfelschau

Von Daniel Bickermann Drei Jahre nach dem Erfolg von Paris, je t’aime verlagerte Produzent Emmanuel Benbihy die gleiche Idee in den Big Apple: Für einen Kurzfilmwettstreit lud er ein gutes Dutzend möglichst fremder Regisseure in eine pittoreske Stadt, wo jeder nur zwei Tage Drehzeit und eine festgelegte Crew zur Verfügung hatte, um eine Liebesgeschichte zu drehen. Nun sollte man erwarten, daß bei solchen Spielereien bestenfalls Stückwerk und fade Spontanware herauskommt, aber New York, I Love You überrascht alle Zuschauer, die (vergebens) auf die schwachen Beiträge warten. Stattdessen bringen alle Filmemacher, ob aus Indien oder China, aus Hamburg oder Hollywood, ihre durch und durch heimatlich geprägte Sichtweise in die Ostküstenmetropole, und tatsächlich sehen keine zwei Filmemacher New York gleich. Sicher, manche Motive wiederholen sich, vor allem multikulturelle Problematiken und das Rauchverbot, das, wenn man dem Film glauben darf, den Bewohnern der Stadt eine neue amouröse Anlaufstelle an den kalten Straßenecken geschenkt hat. Trotzdem – angenehme Kurzweil überall.

Natalie Portman darf als zweite treibende Kraft hinter dem Projekt vermutet werden, sie spielt hier nicht nur (wie schon in Paris, je t’aime) in einigen Episoden mit, sondern legt auch ihre zweite Regiearbeit vor. Überhaupt ist es ein Schaulaufen der gutgelaunten und durchaus überzeugenden Schauspielstars aus der jungen und nicht mehr ganz so jungen Generation: Orlando Bloom brilliert in einer neurotischen One-Man-Show für den Japaner Shunji Iwai, Shia LaBeouf behauptet sich auf Augenhöhe mit Julie Christie und John Hurt in Shekar Kapurs bildgewaltiger Parabel von Liebe und Verlust, Ethan Hawke darf für den Israeli Yvan Attal den tragikomischen Riesenaufreißer geben, und Anton Yelchin kann in Brett Rattners etwas albernem Schenkelklopfer seinen Status als Wunderkind zementieren. Dazwischen sorgt Fatih Akin für eine stimmungsvolle Liebesträgodie, während Ghetto-Altmeister Allen Hughes den dringend benötigten Sex mitbringt und ihn so sinnlich verpackt, daß ihm in einem Bündel durchweg unterhaltsamer Kurzfilme ein Sonderpreis für den kunstvollsten und bemerkenswertesten zufällt.

Wer New York sehen will, wie es ist, sollte New York Stories noch mal ausgraben, wo die Proto-New-Yorker Allen, Coppola und Scorsese ihre eigenen Kurzfilme zusammengefaßt haben. Aber alle, die sich lieber ein träumerisches, vielfältigeres Bild von der Liebe, dem Sex und der City bilden wollen, sind hier genau richtig und werden sich keine Minute langweilen. Die Herren Produzenten sind jedenfalls aufgefordert, gerne noch weiterzumachen: »Tokio, Aishiteru« vielleicht oder »Wien, i mog di«. 2010-01-19 16:07

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Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #57.

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