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Vorstadtkrokodile 2

D 2009. R,B: Christian Ditter. B: Neil Ennever. K: Christian Rein. S: Ueli Christen. M: Heiko Maile. P: Westside, Rat Pack, Constantin Film. D: Nora Tschirner, Nick Romeo Reimann, Maria Schrader, Leonie Tepe, Dietmar Bär, Fabian Halbig, Esther Schweins, Ella-Maria Gollmer u.a.
90 Min. Constantin ab 21.1.10

Die wollen nur einspielen

Von Natália Wiedmann Der Lack blättert ab, darunter Gelächter. Punchline nach Punchline, wie sie sich jagen, überholen, überschlagen, nahezu köstlich bisweilen, wie in der Restaurantszene, dann wieder ist man sich selbst für »Pupsi« und »Pippimaus« nicht zu schade. Johlen. Die Protagonisten sind (kaum merklich) älter geworden, das Publikum erscheint verjüngt.

Vorstadtkrokodile 2. Das Wesentliche ist damit im Grunde benannt, das Erwartbare abgesteckt, der Titel als Kommentar, die Doppelung als Motiv. Da wären die echten Zwillinge, die aber zwei ganz falsche Fuffziger sind, Handlanger des geradezu janusköpfigen Antagonisten, der nicht nur gekonnt vom Charmeur zum bedrohlich Wutentbrannten wechselt, sondern auch die Kleidung von weiß zu schwarz – originell ist das nicht und fügt sich daher stimmig zum Grundmotiv. Die Zwiegestalt, sie ist das Problem, sie ist der ernste Unterton, der dem Film (größtenteils zu Unrecht) zugeschrieben wird, alleiniger Urheber der drohenden Arbeitslosigkeit einer ganzen Siedlung – was als Sozialkritik gedacht sein mochte, verkommt durch diese unterkomplexe Darstellung zur Farce.

Dabei hätte man nach dem Start des Krokodilsabenteuers im Vorjahr Erstklassiges erwartet. Adaption und Remake zugleich, war dieses selbst ein Zwilling gewesen, aber was für einer! Agiler als seine Brüder, gewitzt und wandlungsreich, origineller als das Original. Gekonnt wechselten sich rasante Actionsequenzen mit stimmungsvollen Kleinportraits ab, die keiner Erklärung bedurften; konsequent und dennoch unaufdringlich durchzogen Integrationsprobleme die Geschichte, geschickt wurden Konflikte innerhalb der Gruppe mit dem Erzählstrang um die Einbruchsserie verknüpft. Nicht allein, daß eine solche Verknüpfung in der Fortsetzung kaum gelingt, hier gleicht der Part um die Verbrechensaufklärung einem von hinten aufgezäumten Pferd – das arrangierte Blind Date für Hannes’ alleinstehende Mutter scheint vornehmlich dem Zweck zu dienen, ihn später inkriminierendes Material finden zu lassen und bringt ansonsten – außer einer guten Unterhaltung – nichts hervor.

Interessanter und überzeugender nehmen sich die Figurenentwicklungen aus, die das Auftauchen eines zweiten Mädchens in Gang setzt, der älteren Cousine eines Krokodilers. Nicht nur Bandenmitglied Maria sieht sich plötzlich mit Rollenkonventionen konfrontiert und sucht nach einer Position zwischen Anpassung und Verweigerung, auch einige der Jungs fragen sich, welchem Männlichkeitsbild sie eigentlich entsprechen wollen.

So hat sie durchaus ihre starken Momente, die Nummer 2, und sie unterhält für den Augenblick, keine Frage. Scharen von Pre-Teens werden sich gackernd an Popcorn verschlucken und Cola kichernd verschütten, werden lachen, selbst wenn sie den Atem anhalten sollten, denn der Stimmungswechsel gelingt nicht so recht (das nach wie vor grauenhaft klamaukartige »Spannungsthema« macht es nicht besser). Am präpubertären Amüsement ist nichts Schlechtes. Aber ein weiterer Zwilling, der USB-Stick zur Überführung des kapitalistischen Sünders, verbildlicht selbstreflexiv das Problem: Der Nachfolger hält dem prüfenden Blick nicht stand, wird zwar notdürftig getarnt, der Betrug aber fliegt auf – der Lack blättert ab. 2010-01-19 12:24

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