— — —   DER SCHNITT IST OFFLINE   — — —

Mein Herz sieht die Welt schwarz – Eine Liebe in Kabul

D 2009. R,B: Helga Reidemeister. K: Lars Barthel. S: Marzia Mete. P: Ohne Gepäck Berlin Filmproduktion.
87 Min. Basis ab 15.1.10

Ehefrauvorbehalt

Von Carsten Tritt Shaima und Hossein sind seit ihrer Jugend verliebt. Als Hossein als Söldner für die Taliban kämpft, wird er verwundet, bleibt querschnittsgelähmt. Shaima wird von ihrem Vater an einen 40 Jahre älteren Mann als vierte Ehefrau verkauft, später mit ihrer aus dieser Ehe stammenden Tochter zurückgeholt, weil der Ehemann das Brautgeld nicht vollständig zahlt.

Helga Reidemeisters Dokumentarfilm porträtiert eine unmögliche Liebe zwischen Shaima und Hossein, doch die Schwierigkeiten der Dreharbeiten in Kabul sowie das Unmögliche der Beziehung ihrer Protagonisten wirken sich auch auf die Qualität des Films aus. Nicht jeder der Betroffenen war bereit, sich vor der Kamera zu äußern, Stellungnahmen von Familienmitgliedern von Shaimas Ehemann oder der meisten Verwandten Hosseins fehlen. Vieles kann somit auch nur indirekt durch die Hauptpersonen erläutert werden, auf deren Interpretationen der Zuschauer häufig vertrauen muß. Trotz der offenbar intensiven Beschäftigung der Regisseurin mit ihren Protagonisten bleibt so das vermittelte Bild beschränkt, zudem ist ihr Film auch recht konventionell aus einer Aneinanderreihung der Gespräche montiert. Obwohl somit Mein Herz sieht schwarz aus künstlerischer Sicht durchschnittlich bleibt, kann er dennoch ein wichtiger Film sein, zumal ein solcher aufklärerischer Blick in die Kultur des Landes, in welchem wir gerade Krieg führen, eine dringend notwendige, doch leider rare Erfahrung bleibt. Darüberhinaus – so informiert der Filmvertrieb – konnte inzwischen und nach Fertigstellung des Films die Zustimmung des Vaters zu Shirmas Scheidung von ihrem bisherigen Mann erkauft werden, indem für ihn durch zwei Preisgelder, die der Film auf Festivals gewonnen hat, ein Kleintransporter zur Ernährung der Familie finanziert wurde. Wenn der Dokumentarfilm als Mittel betrachtet wird, hätte er somit bereits in dieser konkreten Verbesserung mehr erreicht, als eigentlich von einem Film zu erwarten wäre. 2010-01-08 12:50

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #57.
© 2012, Schnitt Online

Sitemap