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Stepfather

The Stepfather. USA 2009. R: Nelson McCormick. B: J.S. Cardone. K: Patrick Cady. S: Eric L. Beason. M: Charlie Clouser. P: Screen Gems, Maverick Films, Imprint Entertainment, Granada. D: Dylan Walsh, Penn Badgley, Sela Ward, Amber Heard, Sherry Stringfield, Paige Turco, Jon Tenney, Nancy Linehan Charles u.a.
101 Min. Sony Pictures ab 31.12.09

Father Knows Best

Von Nils Bothmann Ein Mann geht ins Badezimmer, beginnt, seinen Bart abzurasieren, bald sogar sein komplettes Aussehen zu verändern – langsam wird das, was als alltägliches Ritual beginnt, immer suspekter, bis der Mann mit neuem Look das Haus verläßt und dabei an den Leichen seiner Familie vorbeigeht. Fast eins zu eins übernimmt The Stepfather diese Szene aus Joseph Rubens gleichnamigem Original von 1987. Nip/Tuck-Doktor Dylan Walsh erweist sich schnell als würdiger Nachfolger Terry O’Quinns in der Psychopathenrolle, ebenso wie Sela Ward in der weiblichen Hauptrolle als geschiedene Susan Harding überzeugt. Diese heiratet der psychopathische Mörder sechs Monate nach seiner letzten Tat; jener hat die Hoffnung, mit ihr und ihren drei Kindern die perfekte Idealfamilie aufzubauen. Bisher konnte jedoch keine seiner vorigen Familien an derart hochgesteckte Ideale heranreichen, weshalb der Stiefvater diese früher oder später immer umbrachte.

Das Original von 1987 war ein höchst subversiver Film, der sich gegen die bürgerliche Ideologie jener »Home Invasion«-Filme stellte, in denen Nonkonformisten das Bilderbuchglück der American-Dream-Familie bedrohten. Denn ausgerechnet der Stiefvater, der mit aggressiver »Papa ist der Beste«-Attitüde erzkonservative Familienwerte im Stil der 1950er predigte, war der Psychopath, die Gegenspieler hingegen selbstbestimmt-progressive Charaktere. Diesen Gestus behält das Remake jedenfalls bei, verschlimmbessert die Formel des Low-Budget-Originals an allen Ecken und Kanten – womit er quasi dessen Vorteile freilegt, denn aus dem ideenreichen B-Film von 1987 ist 2009 ein glattpolierter 08/15-Horrorthriller geworden.

Die Neufamilie des Psychopapas wird um verschiedene Nebencharaktere erweitert, welche der Handlung allerdings nur minder dienen, auf schlimmste Weise zu sehen an der Freundin des ältesten Sohnes, deren einzige Aufgabe es ist, in Bikini oder Unterwäsche über die Leinwand zu hoppeln. Ein Hauch von Sex also, aber bloß nicht zuviel, denn in Amerika mußte schließlich die Jugendfreigabe PG-13 gesichert werden, weshalb auch die Gewaltakte auf harmlos getrimmt werden, was diesen Szenen fast jegliche Schockwirkung nimmt. Blanker Hohn ist in diesem Kontext jene Szene, in der ermittelnde FBI-Beamte von der blutigen Grausamkeit des Familienmordes sprechen, die in der Auftaktsequenz zu sehenden Leichen allerdings klinisch sauber herumliegen.

Hin und wieder kommt Nelson McCormicks Remake auf den einen oder anderen brauchbaren Spannungsmoment, gerade wenn die Bestie hinter der Fassade des Stiefvaters kurz hervorlugt, doch meist dominiert inhaltliche wie inszenatorische Einfallslosigkeit: Dauerregen im Finale, hundertmal gesehene Kamerafahrten aus dem Standardrepertoire des Horrorfilms und eine bieder-konventionelle Montage tun ihr übriges, um The Stepfather zu uninspiriertem Einheitsbrei zu verrühren. Angesichts derartiger, für Teenies zusammengeschusterter Konfektionsware ist es nur zu verstehen, daß am anderen Ende des Horrorspektrums der überharte Terrorfilm mit Vertretern wie Inside, dem The Hills Have Eyes-Remake und der Neuauflage von The Last House on the Left wieder großen Zuspruch genießt. 2009-12-25 13:59
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