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Alvin und die Chipmunks 2

Alvin and the Chipmunks: The Squeakquel. USA 2009. R: Betty Thomas. B: Jon Vitti, Jonathan Aibel, Glenn Berger. K: Anthony B. Richmond. S: Matt Friedman. M: David Newman. P: Bagdasarian Productions, Regency Enterprises. D: Zachary Levi, David Cross, Jason Lee, Wendie Malick, Anjelah N. Johnson, Kathryn Joosten, Chris Warren Jr., Kevin G. Schmidt u.a.
88 Min. Fox ab 24.12.09

Ich quieke, also sing’ ich

Von Matthias Wannhoff Die zutiefst menschliche Marotte, alles Tierische zum Sprechen bringen zu wollen, zeitigt nicht selten Absurdes. Mögen auch Sprachwissenschaftler immer wieder betonen, daß einzig die Lautmalerei das Sprachzeichen kurzzeitig von seiner Willkür zu befreien schafft – ein deutscher Hahn ruft genauso wenig »kikeriki«, wie sein englischer Kollege »cock-a-doodle-doo« skandieren würde. Noch heikler steht es um Geschöpfe, von denen man in der Regel überhaupt keine Laute vernimmt. Als sich der US-amerikanische Songwriter und Musiker Ross Bagdasarian in den 1950ern daran machte, eine Gruppe Backenhörnchen zu alphabetisieren, da kam ihm das Zauberreich zeitbasierter Medien zur Lösung dieses Dilemmas gerade recht: Man spreche oder singe seinen Text einfach mit halber Geschwindigkeit ein, schicke die Aufnahme dann per Manipulation der Achse t in Frequenzbereiche, in denen die gröbsten stimmlichen Ideosynkrasien längst nicht mehr zu vernehmen sind, und das Ergebnis ist akustischer Irrwitz im homogenen und dadurch völlig unmenschlichen Reich des Schrill-Piepsigen. Der Rest ist Erfolgsgeschichte.

Mag auch zwischen der grandios-bescheuerten Weihnachtshymne »Christmas Don't Be Late« – dem ersten Auftritt der wortgewandten Nager – und Alvin und die Chipmunks 2 ein halbes Jahrhundert liegen, in denen nicht nur Stimmverfremdungen längst digitaler Standard geworden sind; das Schöne am zweiten Kinofilm um Alvin, Theodore, Simon und ihren Mentor Dave ist, daß sich nach all den Jahren in der Welt der singenden Hörnchen erfreulich wenig verändert hat. Während durch die Kombination von Realfilm und CGI die Kluft zwischen Tier und Mensch noch tiefer klafft als in der komplett animierten Zeichentrickserie (1983-1991), erweisen sich die Chipmunks wie schon im Fernsehen als irrwitziger Spiegel der Popkultur, deren Bestandteil sie längst selber sind. So finden sich in Alvin und die Chipmunks 2 nicht wenige Eigenzitate; auch das weibliche Quietsch-Pendant »The Chipettes« darf wieder mitmischen; und nicht zuletzt intonieren die Hörnchen höchst exzessiv mehr oder weniger aktuelle Pop-Nummern. Daß letztere nicht durchgehend überzeugen, muß man weniger den Chipmunks als vielmehr – zugegebenermaßen kulturpessimistisch – den Kompositionen selber anlasten. Gleichwohl wird man auch für den Kinogänger, der sich irgendwann, genervt vom geballten Wahnsinn im Hochfrequenzbereich, nach etwas mehr Mensch auf der Leinwand und vor allem Tonspur sehnt, Verständnis aufbringen müssen.

Wer jedoch immer schon eine Schwäche für singende Backenhörnchen hatte, der dürfte auch von diesem Film, dessen Form weit mitreißender als sein Inhalt ist, durchaus angetan sein. Denn daran, daß die Chipmunks nun die Schulbank drücken, hat man als Zuschauer weit weniger zu knabbern als an der Fußnote, daß die »Popstars«-Hupfdohlen von Queensberry im Abspann – im Duett mit den Chipettes – ihren wohl ersten guten Song schmettern dürfen. So etwas ist wohl nur bei den Chipmunks möglich, in ihrem zutiefst unmenschlichen Reich des akustischen Irrwitzes. 2009-12-23 16:48

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