Das Kuckucksei
Von Nils Bothmann
Bridget Jones ist jetzt Sozialarbeiterin! Oder zumindest ihr Alter ego Renée Zellweger, die die Hauptrolle in
Fall 39 übernimmt, einem weiteren Beitrag zur aktuellen Welle der Böse-Kinder-Filme, dessen Starttermin immer wieder verschoben wurde. Die Bedenken des Verleihs sind angesichts des filmischen Ergebnisses durchaus nachvollziehbar; dabei könnte man anfangs noch an eine Parodie auf aktuelle Horrorfilme glauben, wenn Fräulein Zellweger ein schwerst nach Inzucht aussehendes Ehepaar besucht. Deren Tochter Lillith, rehäugig und süß wie der Nutellabiber, rettet sie kurz darauf vor der rituellen Opferung durch die scheinbar verrückten Eltern, nimmt das Kind bei sich auf, doch muß dann erkennen, daß sie sich ein wahres Kuckucksei ins eigene Nest geholt hat.
Von da an ist klar: Der Film meint es ernst, viel zu ernst. Doch so richtig in Fahrt gerät
Fall 39 nie, der mit wahrer Raubritter-Mentalität Plotelemente und ganze Szenen aus bekannten Vorbildern kopiert. Wer nicht spätestens nach der Hälfte des Films merkt, in einem Plagiat von
Das Omen zu sitzen, hat das aufrichtige Mitleid des Rezensenten, weitere Inspirationsquellen sind unter anderem
Candyman,
Das Ritual und
The Ring. Erklärungen, ob Lillith denn nun ein Dämon oder Teufel bzw. von einem Dämon oder Teufel besessen ist, liefert
Fall 39 jedenfalls nicht, wie genau seine Fähigkeiten wirken, auch nicht: Mal scheint das Mädchen lediglich fähig zu sein, Illusionen hervorzurufen, mal scheinen ihre Kräfte weitaus größer zu sein.
Mit diesem verkorksten Skript fabriziert Regisseur Christian Alvart nur einen Aufguß von zigmal Gesehenem, wobei
Fall 39 zumindest in den Anfangsminuten mit einem interessanten visuellen Konzept aufwartet: Immer wieder stehen die Figuren verloren vor dem Bildhintergrund, scheinen fast darin unterzugehen, als wolle man die Gewöhnlichkeit der Betroffenen noch unterstreichen. Auch darstellerisch ist
Fall 39 keinesfalls schlecht, gerade Jodelle Ferland als dämonisches Kind kann gelungen zwischen nutellabibersüß und damienböse hin- und herschalten, während der oft übersehene Ian McShane in einer Nebenrolle als Cop endlich mal mit einem größeren Part gewürdigt wird.
Mit
Orphan – Das Waisenkind hat der aktuelle Böse-Kinder-Film jüngst einen wesentlich sehenswerteren Vertreter dieser Gattung hervorgebracht, und auch Christian Alvarts eigenwillig-kruder, aber doch recht unterhaltsamer
Pandorum ist deutlich besser als dieser Langweiler. Zum Schluß lobt man also erneut die Darsteller, rät vom Film an sich allerdings ab und vergibt an Renée Zellweger den Preis für die Betroffenheitsmiene des Jahres 2009.
2009-12-14 12:51