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Zombieland

USA 2009. R: Ruben Fleischer. B: Rhett Reese, Paul Wernick. K: Michael Bonvillain. S: Alan Baumgarten. M: David Sardy. P: Columbia Pictures. D: Woody Harrelson, Jesse Eisenberg, Emma Stone, Abigail Breslin, Amber Heard, Bill Murray, Derek Graf, Jacob G. Akins u.a.
88 Min. Sony Pictures ab 10.12.09

Lacht kaputt, was Euch kaputtmacht

Von Jakob Stählin Zum Fumpen des ersten Bieres, das man sich zum Kinobesuch definitiv kredenzen sollte, umgarnt Zombieland den Zuschauer mit einer stimmungsvollen Einstiegssequenz in Superzeitlupe: Zu den Klängen von Metallicas »Whom the Bell Tolls« sehen wir Ottodurchschnittsbürger als untote Furie durch suburbane Szenarien wanken. Dann werden wir hastig mit unserem Helden vertraut gemacht, ein, wie derzeit recht häufig, Loser Anfang zwanzig. Ein Mädchen hat er noch nie abgeschleppt, geschweigedenn gar die nackige Brezel mit ihr gemacht. In diesem Fall heißt der junge Darsteller Jesse Eisenberg und nicht Michael Cera, was aber nicht weiter auffällt, wenn man nicht genau hinsieht. Irgendwie lernt er dann andere Menschen kennen, und zusammen fahren sie durchs Land, um schließlich in einem Vergnügungspark ordentlich die Sau rauszulassen.

Zombieland ist – und das leugnet auch keiner der Macher – durchaus so etwas wie die amerikanische Verneigung vor Shaun of the Dead. Letzterer war gespickt mit kuriosen Einfällen und großartig frei agierenden Darstellern und konnte somit auf einer Ebene punkten, die ihn vom blanken Status der Parodie abhob und ihn so zu einem eigenständigen Werk machte. Ohnehin ist es ein seltsames, wenn auch weit verbreitetes Unterfangen, Sujets zu veralbern, die sich häufig selbst nicht richtig ernstnahmen. Ich möchte jetzt um Himmels Willen kein Faß aufmachen und Zombie- oder generell Horrortrashfilmfreunden die Ernsthaftigkeit ihrer wohlverdienten Freizeitfreuden ausreden, doch es ist schon seltsam, daß sich so viele Filmemacher anschicken, einen ohnehin bereits humorgeladenen Figurenschlag zu verballhornen, indem man diese und ihre Filmwelt auf deren jeweilige Essenz reduziert, nur um dann schließlich allen Handlungsüberfluß herauszusieben. Im Fall von Zombieland bedeutet dies, daß weitestgehend ziellos Untote niedergeprügelt und zerfetzt werden, begleitet von kecken Sprüchen und einer winzigen Portion Schockeffekte. Das macht freilich Laune, denn wer labt sich nicht ab und an mal gerne an poppig inszenierter Comicgewalt; insbesondere, wenn Woody Harrelson als trottelig-liebenswerter Hinterwäldler in Wild at Heart-Gedächtnis-Schlangenlederjacke durch die Bilder feixt und Bill Murray einen schönen, wenn auch sehr gewollt aufsehenerregenden Gastauftritt als Seinerselbst hat. Exemplarischerweise wird hierbei auch Murrays Rolle als »Ghostbuster« aufs Korn genommen, die selbst in den pastellfarbenen 1980er Jahren nicht gerade mit einem Status als ernste dramatische Abhandlung über übersinnliche Phänomene kokettierte, sondern klares Entertainment darstellte.

Der Showdown ist, wie auch der Einstieg, durchaus schön anzusehen, doch der restliche Film weiß sich selbst niemals zu rechtfertigen. Alles bleibt Andeutung, die Charaktere verfolgen kein klares Ziel und sind daher außerstande, eine Transformation zu vollziehen. Nicht, daß all dies für kurzweilige Unterhaltung nötig wäre, doch es stimmt etwas ratlos, wenn ein visuell astreines und auch in der Montage durchaus pointiertes Werk an einer Kleinigkeit wie einem griffigen Plot scheitern muß. In einer grotesken Welt wie Zombieland hätte ein Schreiber eigentlich die reinste Freude haben müssen. Zombies – das bedeutet Anarchie, das bedeutet Endzeitstimmung und natürlich bedeutet es einen unerbittlichen Kampf um Freiheit. Man könnte sagen, daß Danny Boyle mit seinem irritierenden 28 Days Later, den das Feuilleton mit dem ebenso falschen wie abseitigen Begriff »Arthouse-Zombiefilm« adelte, die konsequenteste Parodie auf ein Genre machte, das um seiner selbst Willen Karikatur war und somit von allem Humor beraubt werden mußte, um klar eingeschätzt werden zu können. Zumindest aber hat er den ersten Zombiefilm gemacht, der an keiner Stelle zum Lachen animierte. So findet sich auch in Zombieland der schönste Moment, wenn ein gräßlich mutierter Clown ansehnlich mit einem Hau-den-Lukas-Hammer kaputtgekloppt wird. All jenen, die als Kinder Tim Curry in Es erfahren durften, sei allein schon deswegen der Kinobesuch aufs Allerwärmste empfohlen. 2009-12-09 14:12

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